18.01.2026 – Wie mir einmal ein Blogeintrag völlig entgleitzte

Blick zurück in heitere Zeiten. Dieses ewige düstere Dümpeln in trostloser Gegenwart zwischen Trump, Faschismus, Antisemitismus, Klima, Spaltung und Grönland ist der mentalen Gesundheit nicht förderlich. Also vorwärts nach rückwarts, in die Goldenen Jahre und Welten. Siehe oben. Pavillon der Vereinigten Arabischen Emirate bei der EXPO 2000 in Hannover. Es war Sommer, die Welt war zu Gast in Hannover, Heiterkeit schwebte über allem. Rotgrün regierte die BRD, Aufbruch zu neuen Ufern. Probleme? Fehlanzeige. Das größte Problem damals zur Jahrtausendwende schien der Millenium Bug Y2K zu sein, weil die Datumsumstellung ins neue Jahrtausend auf digitaler Ebene nicht funktionieren würde und alle Fahrstühle abstürzen würden. Oder so ähnlich. Nichts davon passierte.

Auf der EXPO 2000. Ich war mitteljung und abenteuerlustig. Und draußen, in der Welt, würde das Ende der Geschichte nach dem Fall der Mauer in eine Riesenparty übergehen.

Nur notorische Schwarzseher mäkelten an diesem und jenem rum, ein bisschen Klimakrise, ein bisschen Rechtsextremismus, die Dotcom Blase war gerade geplatzt. Das Einzige, was ins Gewicht zu fallen schien, war die Arbeitslosigkeit, 10,7 %. Aber das würden Koch und Kellner, Schröder und Fischer, Arsch und Eimer, Rot und Grün auch noch in den Griff kriegen. Mit ihrer Wunderwaffe, der Agenda 2010, die da noch als Referentenentwurf eines gewissen Frank-Walter Steinmeier in dessen Schublade reifte. Nicht der arme Peter Hartz war ja der Schurke in dem Stück „Größter Sozialraub der Nachkriegsgeschichte“, es ist der gütig-präsidial dreinblickende Grüßaugust Steinmeier. Der es unter den Gesichtspunkten kritisch-historischer Würdigung geschafft hat, die Rolle von Arsch und Eimer in sich zu vereinen, ohne dass da auch nur irgendwas Negatives an ihm haften geblieben ist.

Die Geschichte hat gezeigt, dass 2000 eine tiefgreifende Zäsur bildete, den Übergang von der Postmodernen in ein Krisenzeitalter als Vorstufe von Autoritarismus und Faschismus. Das Platzen der Dotcom-Blase wuchs sich mit den Folgen des Anschlags vom 11. September 2001 zu einer Weltwirtschaftskrise aus, mit einem Anwachsen von Massenarbeitslosigkeit. Danach: Eurokrise, Lehman Pleite, Kriege, Seuchen, Anwachsen von Nationalismus und Rechtsextremismus …. Der Rest ist Geschichte und bei einigen noch präsent.

Nicht ganz so präsent bei vielen sind die Nachwirkungen der Agenda 2010 und ihre kritische Einordnung. Sie wird in Teilen der neoliberalen Öffentlichkeit als Wunderwaffe gegen Arbeitslosigkeit gepriesen und Masterfolie für eine noch radikalere Agenda 2030. Fakt ist: Das Original hat durch Ausweitung prekärer Beschäftigung die Arbeitslosenquote externalisiert. Was vorher arbeitslos war, tauchte jetzt in der Armutsquote, via prekärer Beschäftigung, auf. Während die Arbeitslosenquote aber einer der Parade-Parameter der bürgerlichen Nationalökonomie und in den Medien, und damit für den Politikbetrieb ist, interessiert die Armutsquote keine Sau.

Arbeitslosigkeit halbiert, Armutsquote fast verdoppelt. Kaninchen aus dem Hut gezaubert, das Publikum versteht nichts und applaudiert. Die Konzerne wurden entlastet, die Konjunktur-Krisenkosten dem Steuerzahler an den Hals gehängt, der stotternde Wirtschaftsmotor sprang dem Gesetz der zyklischen Krisen zufolge wieder an, es folgten 10 Jahre Dauerhoch. Für Konzerne, Aktienbesitzer, Wohlhabende. Bis Corona und Ukraine. So weit ein kurzer Ausritt in die Geschichte, der eigentlich als therapeutische Selbstheilungsmaßnahme gedacht war. Dieser Blogeintrag ist mir unter Therapiegesichtspunkten völlig entgleist.

Der Ausritt ist aber nicht völlig nutzlos. Ich habe das auch deshalb geschrieben, weil eine Ursache der desaströsen aktuellen Entwicklungen die allgemeine Ahistorizität ist. Geschichtsvergessenheit. 1933; Hitler, böse; 1989, Mauer weg, gut: Das wissen die Meisten noch. Aber dahinter wird die Erinnerung und Einordnung der Geschichte in Zusammenhänge und Strukturen finster, verdunkelt unter anderem durch die täglichen Tsunamis an bunten Bildern der sozialen Medien. Wenn wir aber von der Geschichte nichts wissen, können wir das Heute nicht begreifen.

Und deshalb bin ich auch dafür, dass der Ami Grönland besetzt. Dann würden die meisten anderen Nato-Staaten die Fußball-WM 2026 im Amiland boykottieren, aus Solidarität mit Drönland. BRD, England, Frankreich, Spanien, Portugal, Belgien, die Besten der Welt, bis auf Argentinien und Brasilien. So eine WM interessiert bei uns keine Sau mehr. Und einer der gruseligsten Anblicke der jüngeren Geschichte bliebe mir erspart: Ein schwarzrotgoldenes Fahnenmeer bei einem eventuellen Titelgewinn 2026 der Ostgoten. Wie weiland 1990, woraufhin in ganz Ostgotistan Ausländerheime brannten, im Zeichen eines neuen, alten Nationalismus.

17.01.2026 – Tod und Irrsinn

Deine Küsten, deine Strände,

Deine Buchten ohne Ende,

Nichts kommt Deinen Möwen gleich,

Meerumtostes Österreich!

Thomas Stethin. Undatiert. Freund und Kollege, unter anderem bei meinem Zeitungsprojekt NETZ – Niedersächsische Teilhabe Zeitung. Die Zeichnung oben ist hier in einer Ausgabe von 2016 auf Seite 6 abgebildet . Das Original ist in meinem Besitz

HAZ, 15.01.2026. Wann er genau starb, ist nicht bekannt. Die schräge Genialität seines Schaffens erklärt sich sehr stark aus seinem Lebensweg

Mitunter habe ich das Gefühl, die eine Hälfte der Freunde ist soeben gestorben, die andere Hälfte gerade dabei und dem Rest geht es auch nicht besonders.

Der Blick in die Weltlage erheitert auch nicht gerade. Rotlackierte Faschisten und Antisemiten mobilisieren nach Leipzig, um Israelunterstützer*innen zu terrorisieren, vornweg die sogenannte Antifa. Mit dabei u. a. eine pro-palästinensische Gruppe namens Handala, Hamas-Sympathisanten. Die Hamas war ohne die Unterstützung des klerikalfaschistischen  Regimes im Iran nicht denkbar. Wes Geistes Kind die rotlackierten Faschisten von Leipzig sind, ist an den mörderischen Wahlverwandtschaften bis Teheran abzulesen. Linke haben zu Gegendemos aufgerufen

Linke gegen Pseudolinke und mittendrin die waschechten Nazis von den Freien Sachsen, die sich mit gekonnter Satire „Migrantifa vs. antideutsche Antifa: Freie Sachsen liefern das Popcorn“ über dieses groteske Theater lustig machen.

Leider kann ich zur Zeit meinem Impuls durch Auswandern diesem Irrsinn zu entgehen, nicht nachkommen. Dringende Termine …. Meinem Impuls, die gute alte Glock einzupacken und in Leipzig für Ordnung zu sorgen, kann ich auch nicht nachkommen. Restpazifismus, Humanismus und vor allem der dringende Wunsch, nicht auf eine Stufe wie jene dort abzusinken, halten mich davon ab.

Warum sitzt der Antisemitismus eigentlich so tief, so unverrückbar in der deutschen Volksseele, bis weit hinein ins linke und Kulturschaffende Milieu?  Die antisemitischen Codes, Bilder, Erzählungen sind Jahrhunderte alt, haben sich tief ins Unterbewusstsein eingeschliffen, jenseits der Ebene von Argument, Vernunft, Ratio. Ein kleines Beispiel: Wilhelm Busch mit der Geschichte „Die fromme Helene“. Grandioser Comic, gehört zum Bildungskanon, ich habe das als kleiner Pöks begeistert mit roten Ohren verschlungen. Die Geschichte ist, und das verschweigt Wikipedia interessanterweise, mit niederträchtigem Antisemitismus versehen und zeichnet ein Bild vom Juden, wie es später im Nazi-Hetzblatt „Stürmer“ zu sehen sein wird. Zitat: …..

Und der Jud mit krummer Ferse,
Krummer Nas‘ und krummer Hos‘
Schlängelt sich zur hohen Börse
Tiefverderbt und seelenlos.… .

Nebenbei ist die Geschichte von einem pessimistischen Antimodernismus und einer tiefen Frauenverachtung geprägt. Helene ist frech, aufmüpfig, dem Alkohol zugetan, sexuell selbstbestimmt. Zur Strafe („Und die Moral von der Geschicht ….“) wird sie von Busch ermordet. Sie stirbt einen grausamen Flammentod. Dass Busch Sadist war, ist durch Max und Moritz bekannt. Dass er glühender Antisemit war, Antimodernist und misogyn, wird gerne unter den Teppich in der Bibliothek des doitschen Bürgertums gekehrt. Aus dessen Elternhäusern nicht wenige der rotlackierten Faschisten stammen.

16.01.2026 – Alle Gewalt geht vom Volke aus. Und wendet sich gegen es.

Ein Bild von Deinem geliebten Tier. Ölsardinen. Gesehen in einem Laden in Hanover-Linden.

 Mein Lieblingstier ist vom Aussterben bedroht. Es führt wohl nur noch ein verstecktes Nischendasein. Es ist der Mettigel.

Ohne solche Fundsachen des Wahnsinns im Alltag wäre der große Wahnsinn kaum noch auszuhalten. Zurzeit findet die Diskussion um die Reform des Bürgergeldes mit den verschärften Sanktionsdrohungen statt. Ursprünglich sollte im ersten Jahr laut Friedrich Merz eine Milliarde Euro dadurch eingespart werden. Davon ist nicht nur nichts mehr übriggeblieben, richtig ist vielmehr, dass die materiellen Folgekosten um ein Vielfaches höher sein werden: Die Gesundheitsfolgekosten werden deutlich steigen, weil die ohnehin von massiven Gesundheitseinschränkungen betroffenen Opfer dieser Reform noch kränker werden. Depressionen, Herzkreislauferkrankungen, Suchterkrankungen, höhere Krebsraten durch ungesunde Ernährung und Lebensführung, Zahnerkrankungen, Stoffwechselkrankheiten wie Diabetes, Adipositas, das alles wird den Staat zig Milliarden zusätzlich kosten. Weiters: Anwaltskosten wegen erhöhter Klagen der Betroffenen, steigende Kosten für Notunterkünfte, weil Wohnungslosigkeit steigt, Gewalt – und Eigentumskriminalität zieht an. Es ist eine irrsinnige Vorstellung, die betroffene Klientel unter den derzeitigen Bedingungen von Massenentlassungen in existenzsichernde Jobs vermitteln zu können….

Als Sahnehäubchen zu den materiellen Kosten gibt’s obendrauf die gesellschaftlichen Folgekosten: Weitere Delegitimation der Demokratie. Die Millionen Betroffenen und die davon Bedrohten wenden sich von der Demokratie ab. Wenn sie überhaupt noch wählen, werden sie sich in ihrer Angst und Wut natürlich an den Treiber dieser Gefühle, die AfD, wenden.

Bezieher*innen von Bürgergeld sind überdurchschnittlich oft vom Leben überfordert, sind viermal so oft von Depressionen betroffen wie Normalverdienende. Wer von einer Depression betroffen ist, ist im Normalfall oft nicht in der Lage, seinen Alltag zu meistern, Post zu öffnen, der kriegt vom Leben und der dritten Aufforderung des Jobcenters sich zu melden, nichts mit. Er würde die unmenschliche Bürokraten-Sprache auch nicht verstehen und schlimmstenfalls als das empfinden, was sie ist: Eine massive existentielle Bedrohung, die der Krankheit einen weiteren Schub verleiht. Irgendwann einen tödlichen. Depressionen sind die häufigste Selbstmordursache.

Zu verlangen, dass Betroffene in derartigen Zuständen sich gegen ihre Vermieter wehren sollen, falls die zu hohe Mieten verlangen, ist ein ekelerregender Zynismus.

Diese Reform ist strukturelle Gewalt. Durch sie werden Menschen auf den Straßen erfrieren, nachdem sie als Folge dieser Reform obdachlos geworden sind. Durch sie werden Menschen kränker und früher sterben. Gewaltkriminalität vor allem in Beziehungen wird steigen. Natürlich geht kein Opfer dieser Reform mit einer Pistole der Marke Glock los und schießt einen Friedrich Merz in den Kopf. Das Opfer, männlich, wendet seine Aggression im Zweifel gegen ein anderes Opfer, weiblich. Beziehungstotschlag. Frauen sind, wie üblich, doppelte und dreifache Opfer dieser Reform. Dreifach, wenn sie Alleinerziehende sind. Jede SPD-Frau, die dieser Reform zustimmt, soll in der Hölle schmoren bis zum dümmsten Tag. Der dümmste Tag ist übrigens der SPD-Parteitag.

Diese Reform ist Ausdruck des täglich stattfindenden Klassenkampfes, der, je öfter seine Existenz geleugnet wird, umso brutaler exekutiert wird. Die Motive der Handlungen und die Gefühle sind dabei durchaus disparat. Aus den kaltlächelnden Hackfressen eines Linnemann spricht der Klassenhass von denen da oben gegen die da unten. Die SPD kanalisiert die Wut ihrer Facharbeiterklientel gegen die „Schmarotzer“ unter ihnen, die den ganzen Tag auf der faulen Haut liegen, während sie sich an den Fließbändern krank schuften. Und vor nichts mehr Angst haben, dass sie demnächst nach den erfolgenden Massenentlassungen auch „da unten“ landen. Statt Solidarität also Hass. Gleiches gilt für das Millionenheer des Prekariats der Amazon- etc. Fahrer. Nach unten ist immer Platz.

„Unten“ sieht es ganz finster aus. Hier neidet der eingeborene Bürgergeldempfänger dem ausländischen die Stützebutter auf dem Brot von vorgestern. Und die ukrainische Stützeempfängerin fragt sich voller Wut im Bauch, wieso sie als Weiße nur noch um 100 Euro abgesenkte Asylbewerberleistungen kriegen soll, während doch jeder Neger es hinten und vorne reingeblasen kriegt.

So kriegt der Satz „Alle Gewalt geht vom Volke aus“ eine andere, alltagsreale Bedeutung.

Gemeint ist in der ursprünglichen Form des Grundgesetzes natürlich die Staatsgewalt. Aber die, das haben wir ja hier gesehen, wendet sich alsbald gegen das Volk.

Respektive die Bevölkerung, denn natürlich ist der § 20 Absatz 2 „Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus“ völkischer Dreck, der mal weggeräumt werden müsste. Es muss natürlich heißen: „Alle Staatsgewalt geht von der Bevölkerung aus.“ Oder den Staatsangehörigen.

Sie, liebe Leserinnen, verstehen jetzt sicher, dass ich angesichts der obwaltenden Umstände lieber in der freien Natur als in der Gesellschaft unterwegs bin. In der Natur, mit meinen Lieblingstieren. Den Mettigeln.

12.01.2026 – Wir schlagen zurück. Und dann: Rübe ab.

Glock, Pistole mit Schalldämpfer.

Nach dem vermeintlich von linken Vulkanologen verursachten Berliner Blackout, womit nicht der unsägliche Bürgermeister Wegner sondern der Strom gemeint ist, meldet sich der zuständige Innenminister Dobrindt, CSU, zu Wort: „Wir schlagen zurück.“ Von der Tonalität her erinnert das an die Kriegsberichterstattung von der Ukrainefront.  Es geht gegen links, da darf es gerne schon mal militärisch werden.

Ein Schelm, wer jetzt an den Deutschen Herbst 1977 denkt . Nach diversen Terroranschlagen der RAF reagierte der Staat mit zunehmender Repression gegen alles, was nach links roch, es grenzte an einen nichterklärten Ausnahmezustand. Alte Stahlhelmträger wagten sich wieder aus ihren Schützengräben hervor und plädierten für „Rübe ab“. Der damalige CSU-Vorsitzende Franz-Josef Strauß plädierte für die Erschießung von RAF-Häftlingen, falls deren Genossen draußen weitere Politiker oder Elitenangehörige ermorden würden. (Ich erinnere mich an damalige Sponti Sprüche wie: „Buback, Ponto, Schleyer, das war ein flotter Dreier.“ Womit die von der RAF ermordeten Generalbundesanwalt Buback, Dresdner-Bank Vorstand Ponto und Arbeitgeberpräsident Schleyer gemeint waren).  Die RAF-Häftlinge seien ja schließlich Geiseln. Der frühere deutsche Paradehistoriker Golo Mann, Sohn von Thomas Mann: „Wir befinden uns im Krieg.“ Deshalb sei der Rahmen des geltenden Rechts nicht mehr zu halten. Meint: Einführung des Kriegsrechtes, was die Erschießung von Geiseln erlaubt. Der Generalbundesanwalt zu der Zeit, Rebmann, NSDAP-Mitglied, plädierte für die Wiedereinführung der Todesstrafe, bei abgekürztem Verfahren. Also Standrecht, direkt nach Urteilsverkündung Erschießung. Ein im Krieg zigtausendfach durchgeführtes Verfahren.

Der Deutsche Herbst markierte das endgültige Aus für die Reformära der Post-68er Phase und den Übergang in eine Zeit der bleiernen Stagnation. Natürlich hatte das auch ökonomische Hintergründe. Wer die bei politischen Krisen nicht mitdenkt, wird bei der Analyse des Ganzen und einer Perspektiveinschätzung  immer im Dunkeln tappen, wie Barthel, wenn er den Most holt. 1974/75 herrschte in der BRD die schwerste Rezession der Nachkriegsgeschichte. Die Zahl der Arbeitslosen überstieg erstmals die Millionengrenze.

Aktuell haben wir seit drei Jahren Rezession und drei Millionen Arbeitslose. Wir sind also weiter.

Es lebe der Fortschritt. Wir machen keine halben Sachen. Statt faschistoider Anwandlungen und Erschießungsphantasien wie bei den nicht ganz lupenreinen Demokraten Strauß, Mann und Rebmann ernten jetzt lupenreine Faschisten von der AfD das damalige Gedankengut realpolitisch ab. Man braucht nicht viel Phantasie, sich vorzustellen, welche Töne eine Innenministerin (Beatrix von Storch, die schon mal auf Flüchtlinge an der EU-Grenze schießen lassen wollte?) einer zukünftigen CDU/AfD-Koalition anschlägt und welche Rechtspraxis daraus erwächst. Erst in den Ländern, dann im Bund.

Nein, wir haben keinen Deutschen Herbst. Für diese Analogie fehlt schon die Voraussetzung von 1977, nämlich ein weit verbreitetes linkes gesellschaftliches Klima, bis weit in Medien, Kultur, Bildungssektor hinein, das radikale bis extreme linke Veränderungen mindestens solidarisch unterstützte. Siehe die klammheimliche linke Sympathie für RAF-Morde . Was wir 2026 statt 1977 und linkem Klima haben, ist weit verbreitetes offen faschistisches Klima, abgestuft von Ost, wo Nazis bereits jetzt die kulturelle Hegemonie haben, bis hinein in westdeutsche soziale Brennpunkte, wo die AfD die höchsten Wahlanteile erzielt.

Zentraler Bestandteil von Dobrindts Strategie des „Zurückschlagens“ soll KI werden. Also die digitale Rasterfahndung. Das kann ja heiter werden. Eine der großen Schwächen von KI in Bezug auf Texte besteht im Umgang mit Satire und Ironie. Das zu Erkennen oder zu produzieren, fällt ihr schwer. Wenn ich hier im Blog also grundsätzliche, radikale, linke Kritik am Kapitalismus übe, unsre Gesellschaft im Übergang zum Faschismus sehe und radikale Formen der Gegenwehr nicht a priori und grundsätzlich verurteile, solange sie nicht so schwachsinnig und kontraproduktiv sind wie die der Berliner Vulkanologen, und in diesem Zusammenhang einfach, kommentarlos, eine Glock wie oben abbilde oder mal von Bomben-Stimmung schreibe, frage ich mich natürlich, ob ich nicht irgendwann staatlichen Besuch kriege. Und bin ich dann jetzt schon so eine Art Widerstandskämpfer?

Da muss ich jetzt mal drüber sinnieren. Bis demnächst, liebe Leserinnen, passen Sie auf sich auf, es ist glatt draußen.  

10.01.2026 – Kai aus der Kiste

Der Vorteil der heftigen Schneefälle der letzten Tage: Die Veranda ist ein idealer Kühlort für Sektflaschen.

Im letzten Blog hatte ich Kai Wegner als durchaus sympathisch beschrieben.

Hochdubioses Mitglied der Berliner Betonmafia und prinzipienloser Opportunist trifft es wohl eher. . Wenn wir uns auf eine Zeitreise in den Anfang der 2000er begeben, zeichnet sich das Bild einer Gesellschaft, gegen die sich die Clans der Cosa Nostra und ‘Ndrangheta wie Hütchenspieler ausnehmen, die mit Peanuts jonglieren. Reisen wir also in das Herz jener Bestie namens Kapitalismus und beginnen wir mit Kai, der zu dem Zeitpunkt aus der Kiste kam:

Kai Wegner arbeitete von 2001 bis 2002 in der Geschäftsführung der Macon Bau in Berlin, die 2002 pleiteging. Gleichzeitig war Wegner stellvertretender CDU-Landesvorsitzender in Berlin. Das Land Berlin bürgte mit einem einstelligen Millionen-Betrag für das Bau-Unternehmen, das offensichtlich seit Jahren unseriös in der Branche der Sanierung von Plattenbauten im Osten arbeitete .

Bis 2001 wurde das Land Berlin von der Wegner-CDU unter Eberhard Diepgen regiert, der wegen des Berliner Bankenskandals zurücktrat, in dem es um Milliarden veruntreuter Steuergelder zugunsten von Immobilieninvestoren ging. Reiche Berliner, und nicht nur die, kassierten ohne jedes Risiko aus ihrem Investment in Schrottimmobilien (Plattenbauten im Osten) Milliarden, für die das Land Berlin mit 21 Mrd. Euro bürgte. Dadurch musste 2002 der Senat die „extreme Haushaltsnotlage“ ausrufen, mit massiven Kürzungen in den Folgejahren in allen Haushaltsbereichen.

Die rechtliche Aufarbeitung des Skandals zog sich über Jahre hin und ging aus wie das Hornberger Schießen. Im Zentrum des Skandals stand die Aubis Gruppe, die diese Deals federführend abwickelte. Die Wirtschaftsprüfer von PricewaterhouseCoopers testierten die Aubis noch Anfang der 2000er positiv, obwohl da längst klar war, dass die den Bach runtergehen würde. (Siehe auch Wirecard und die Wirtschaftsprüfer von EY ).  

2002 ermittelte die Staatsanwaltschaft in Dutzenden von Aubis-Fällen. Im Grunewald wurde daraufhin der EDV-Leiter von Aubis tot aufgefunden, die Behörden gingen von Selbstmord aus. Später wurde klar, dass der Mann mit dem Untersuchungsausschuss zusammengearbeitet hatte und dass die Aubis Einsicht in die vertraulichen Protokolle der Sitzungen hatte.

Ironie der Geschichte: Durch die enormen Wertsteigerungen der letzten Jahre selbst bei Schrottimmobilien bleibt am Ende vermutlich sogar ein kleines Plus für das Land Berlin übrig. Was zu Beginn niemand absehen konnte, räuberische Glücksfälle des Kapitalismus. Die jahrelangen Milliardenkürzungen im Berliner Haushalt mit allen unsozialen Folgen sind dadurch allerdings ebenso wenig ungeschehen, wie die Milliardengewinne der reichen Immobilieninvestoren. Die sitzen weiter wie Diepgen und andere Mitglieder der Berliner Betonmafia unbehelligt in ihren Villen im Berliner Südwesten und lassen die Sektkorken knallen. Unser braver Kai aus Spandau hat da zwar noch keine Villa. Aber das kommt noch.

Wobei ich mir nicht mehr so sicher bin, ob Wegner den aktuellen Skandal nicht einfach aussitzt. Der Mann muss Nerven wie Drahtseile haben in diesem Mafiamilieu.

Das Ganze hat Tradition: Herausragendes Beispiel aus den Siebzigern ist die SPD-Steglitzer Kreisel Affäre. Die Sozis waren und sind natürlich seit Jahrzehnten Teil dieses mafiösen Sumpfes.

Und das Ganze hat Perspektive: Im Park Gleisdreieck, direkt bei mir vor der Haustür, sind sieben riesige Bürohochhäuser geplant. Ohne Wohnungen. Ein unfassbarer Irrsinn, kein Mensch braucht mehr Bürohochhäuser. Natürlich ist der zuständige linksgrünversiffte Bezirk Kreuzberg dagegen.

Und jetzt raten Sie mal, liebe Leserinnen, was der für Betonmafiaangelegenheiten zuständige Berliner CDU/SPD-Senat gemacht hat? Er hat das Bebauungsverfahren an sich gezogen.

09.01.2026 – Kai in die Kiste

Heute Morgen, Schneesturm. Eigentümer*innen obliegt die Räumpflicht. Ich kam dieser Pflicht freudig nach. Sie bot mir die Möglichkeit, Frühsport zu treiben und ich konnte Autos durch Zuschippen am bei dem Wetter gefährlichen Wegfahren hindern. Eine gute Tat. Obendrein war die Arbeit sinnloser als Sisyphos Tun, war doch die Schneedecke nach 10 Minuten wieder komplett vorhanden. Ich liebe sinnlose Arbeit, hindert die doch den Fortschritt an seinem weiteren, weltzerstörenden Gang. Glücklicher als Sisyphos begab ich mich gegen 7.32 Uhr an den Schreibtisch und checkte die Nachrichtenlage. Stand 7.33 Uhr war Kai Wegner immer noch im Amt. Was mich wundert. Wenn die Berliner CDU bei der kommenden Wahl noch den Hauch einer Nuance der Chance auf den Wahlsieg im September haben will, muss sie den unseligen Kai umgehend in die Kiste entsorgen. Nicht weil er Fehler beim Umgang mit der Schadensgroßlage Energieausfall gemacht hätte oder weil er gelogen hätte. Politiker*innen leben vom Fehlermachen und lügen, sobald sie zum „Guten Tag“ den Mund aufmachen. Kais Kardinalfehler ist seine Dummheit, die eine Bedrohung für die Zukunft der CDU-Berlin ist. Wer nicht sofort erkannt hat, als der Strom großflächig im Berliner Südwesten ausfiel, dass er sich umgehend Gummistiefel überziehen muss, einen Ostfriesennerz überwerfen, eine Pelzkappe aufsetzen und jedem Betroffenen in der Nähe der Schadensstelle, der nicht schnell genug auf dem Baum ist, mitfühlend mindestens sehr lange die Hand drücken muss, wenn nicht gar umarmen sollte, immer vorausgesetzt, es sind Kameras in der Nähe, der ist im Job eines Bürgermeisters, Landeschefs, was auch immer, fehl am Platz. Nichts anderes tun, nur in der Dunkelzone rumreisen und Betroffenheit in die Kameras heucheln. Und Tatkraft.

Was für ein Irrsinn von Wegner, zu behaupten, er hätte den ganzen Tag koordiniert. Einen derartigen Schaden zu managen, dazu bedarf es eines Krisenstabes von kompetenten Fachleuten aus so vielen Bereichen, Abteilungen, Branchen, deren Namen Wegner noch nicht einmal kennt, geschweige dass er wüßte, was die zu tun und zu lassen haben.

Das Allerschlimmste aber ist, dass der gute Mensch von Spandau, und das ist der sympathische und empathische Wegner als einer der letzten Liberalen in der CDU sicherlich, offensichtlich nur von Dummköpfen umgeben ist. Dass da nicht einer war, der ihn in den Arsch getreten und gesagt hat: „Kai, Du musst hier sofort den gummigestiefelten Schröder von der Elbe-Flut 2002 machen, sonst droht uns das Laschet-Lachsack-Desaster von der Ahr-Flut 2021.“

Ich gehe davon aus, dass die Berlin-CDU, eine Mafiaähnliche Gang, übers Wochenende sich berät, wer nach Wegner die Karre aus dem Dreck ziehen soll und mit welchen Pfründen und Versorgungsjobs Kai sowohl zum Rücktritt bewegt als auch zum Schweigen über all die internen Schweinereien verpflichtet werden soll.

Die glückliche SPD aber druckt schon Wahlplakate mit der Siegerin der Kommunikationsschlacht um die Lichterfelder Kabelbrücke, Franziska Giffey. Das Plakat sollte in groben Zügen so aussehen: Portrait Giffey, im Hintergrund verschwommen ein Heizkraftwerk, mit Kühltürmen oder ähnlichem Gedöns. Rechts oben im Bild, roter Schriftzug: Für Berlin. Eine Zeile darunter, kleiner: Giffey.

Nur Giffey. Nicht Franziska. Das signalisiert zweierlei: Sie kennen mich, ich muss mich nicht groß vorstellen. Und: Ich habe keine Zeit für viele Worte. Ich muss anpacken.

Was auf gar keinen Fall auf das Plakat darf: Der Name der Partei, der Giffey angehört. SPD. Dann hat diese trostloseste aller Gurkentruppen tatsächlich noch eine Chance auf den Wahlsieg in Berlin am 20.09.2026.

05.01.2026 – Kaufen, wenn Blut fließt

Schneemann. Teilansicht. Gelobt sei, was hart macht. Das dachten sich vermutlich auch jene Terroristen, die mit einem Anschlag auf das Berliner Stromnetz am Wochenende Krankenhäuser, Alten- und Pflegeheime und 45.000 Haushalte, also an die 100.000 Menschen, von lebenswichtiger Energie abtrennten. Das war und ist für viele Menschen lebensbedrohend, nicht nur für jene, die auf medizinische Notfallgeräte angewiesen sind. Da in Berlin Dauerfrost herrscht, sind ältere und gesundheitlich beeinträchtigte Menschen einem lebensgefährlichen Risiko ausgesetzt, wenn die Wohnungstemperaturen, wie geschehen, sich in Richtung 10 Grad bewegen. Viele Betroffene sind einsam, desorientiert, überfordert.

Die Bilanz des Terroranschlags wird sich erst Ende der Woche abzeichnen, wenn der Strom wieder fließt. Auf die Kollateral-Katastrophen als Folge des „bewährten“ Berliner Behördendauerchaos darf man gespannt sein.

Laut einem Bekennerschreiben sollen Linksextremisten dafür verantwortlich sein. Auch wenn sich ein bis ins Detail überzeugendes Bekennerschreiben in Sekundenschnelle mit ChatGPT erstellen lässt und hinter dem Anschlag also auch Russen, Chinesen, Nordkoreaner oder Donald Trump verstecken können, ist ein linksextremer Hintergrund nicht auszuschließen, er ist möglich bis wahrscheinlich.

Diese Möglichkeit wirft ein bezeichnendes Licht auf den Zustand der Linken, die sich immer mehr in ein Irrenhaus verwandelt. Was vielleicht auch auf Grund des irren Zustandes unserer Gesellschaft mit eine Ursache ist für den aktuellen Erfolg ihres parlamentarischen Arms. Immerhin liegt die Partei Die Linke in den Umfragen konstant über 10 Prozent, gleichauf mit den Grünen.

Was radikale Linke von extremistischen Linken trennt, ist die Gewaltfrage. Wann wird unter welchen Bedingungen gegen wen was für eine Art von Gewalt ausgeübt? Gewalt gegen Sachen, wie beim Anschlag 2024  gegen Tesla, ist das Eine. Auch wenn radikale Linke einen derartigen Anschlag in der Praxis eher nicht ausführen, würden sie ihn moralisch unter Umständen als illegal aber legitim bezeichnen. Der Anschlag vom Wochenende ist allerdings unter keinen Umständen legitim, weil er wahllos Schwache, Hilflose, Kranke betrifft und bedroht. Wenn er von Angehörigen der extremen Linken ausgeführt wurde, ist das eine Tat, die an den durchgeknallten Irrsinn der RAF erinnert. Die RAF ermordete zwar gezielt Repräsentanten des Systems, nahm aber Kollateraltote jederzeit billigend in Kauf. Moralisch verwerflich, politisch schwachsinnig.

Zur Erinnerung: Wahlloser Terror gegen Massen, um Chaos, Angst und Schrecken zu verbreiten als Grundlage für eine faschistische Machtübernahme, das ist normalerweise Kennzeichen von faschistischem Terror, wie beim Anschlag 1980 in Bologna mit 85 Toten .

Enden wollen wir mit einer positiven Nachricht, zumindest für jene Anleger*innen, die nicht von Moral beleckt sind, siehe oben. Die Rheinmetallaktie  ist Stand jetzt, 05.01.2026, 11.16 Uhr, um über sieben Prozent nach oben ausgebrochen, nach dem imperialistischen USA Überfall auf Venezuela. Da liegt Kanonendonner in der Luft. Alte Börsenweisheit: Kaufen, wenn Blut fließt.

04.01.2026 – Gutes Wohnen. Sofort für Alle

Blick in den Garten. Wo ist der Klimawandel, wenn man ihn braucht? Mehr Sommer. Sofort für Alle.

Mehr Frieden für Alle natürlich auch und erst recht. Es gehört zu den Paradoxien dieser Zeit, dass die Friedensbewegung so schwach ist wie seit Jahrzehnten nicht, obwohl sie nötiger denn je wäre. Ich war bei einer Demo gegen die Nachrüstung (Nato-Doppelbeschluss) im Bonner Hofgarten, in den Achtzigern, 300.000 Menschen. Bei den Osterdemos 2025 waren bundesweit ein paar Tausend Menschen unterwegs. Die Bewegung, wenn sie überhaupt noch aus soziologischer Sicht so bezeichnet werden kann, ist tief gespalten: Wie umgehen mit dem Ukrainekrieg? Wie umgehen mit Verschwörungstheorien und Antisemitismus in den eigenen Reihen? Die Bewegung hat ein verstaubtes Image, ist kaum bündnisfähig und findet keine Antworten auf den Rechtsruck in der Gesellschaft und deren Militarisierung.

Für die Klimabewegung gilt, was gesellschaftliche Akzeptanz und Ausstrahlung angeht, ähnliches. Interessiert keine Schweinin mehr. Die Frauenbewegung, wenn es sowas überhaupt noch gibt, hat sich durch ihr unsolidarisches Verhalten gegenüber den Frauen als Opfern des faschistischen Überfalls der Hamas am 7. Oktober desavouiert. Für die zum großen Teil antisemitische Kulturszene gilt: Schwach wie nie, mit wehleidiger Nabelschau und unkoordinierten und kaum wahrnehmbaren Abwehrreflexen gegen die anwachsenden Haushalts-Kürzungen im Kulturbereich beschäftigt. Meine Empfehlung: In die Produktion, Arbeiter der Stirn. Dann merkst Du vielleicht mal, wie der Arbeiter der Faust gerade so drauf ist, nämlich voll Scheiße, und Du, Genosse Kulturschaffender, richtest Deine Arbeit endlich mal wieder auf diesen gesellschaftlichen Kompass aus.

Das mit der Produktion, respektive einem neuen Job im Dienstleistungsgewerbe, beispielsweise als Amazon-Fahrer, wird sich im Übrigen für viele Kulturschaffende von selbst ergeben, nach den Gesetzen des Marktes. Durch die Kürzungen im Kulturbereich werden viele Stellen wegfallen. Wie in der Industrie. Und nach ein paar Monaten mit einigermaßen commodem Arbeitslosengeld droht das Jobcenter, mit eiserner Faust. Also auf zu Amazon. Dass das das (3x das/s!) Klassenbewusstsein der Betroffenen stärken wird, kann nur hoffen, wer damals bei der Demo im Bonner Hofgarten nach einer Überdosis LSD im Kopf nicht mehr aus der Zeitschleife gekommen ist.

Es bleibt abzuwarten, wie viele Menschen angesichts des imperialistischen Überfalls der USA auf Venezuela auf die Straße gehen. Wenn Kuba fällig ist, werden es ein paar fidele Fidel Veteraninnen mehr sein. Krieg wird immer mehr die normale Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln. Gestern Russland-Ukraine, Heute USA-Venezuela, Morgen China-Taiwan und Übermorgen irgendwo vor unsere Haustür, wovon wir Heute noch gar keine Vorstellung haben. Vielleicht sogar hinter unserer Haustür, also bei uns drinnen. Anything goes.

Was macht das mit mir? Ehrlich gesagt nichts. Ich bin fast froh und dankbar, dass die im letzten Blog geschilderte Causa der LEG Immobilien mich sowohl emotional als kreativ umtreibt, für anderes ist kein Raum mehr. Die börsennotierte LEG Immobilien SE  lässt mitten in einem der kältesten Winter der letzten Jahre ihre Mieter*innen in insgesamt 36 Wohneinheiten im Spengemannweg in Hannover-Badenstedt ohne Heizung und Warmwasser. Das erzeugt in mir Wut und setzt Phantasie frei. Gutes Wohnen ist ein Menschenrecht und wenn ein Konzern dagegen verstößt, wird – und jetzt wird es ein bisschen pathetisch und platt mit Siebziger-Jahre-Sound – Widerstand zur Pflicht. Ich werde also, von diesem moralischen Impuls gedrängt, trotz fortgeschrittenen Alters versuchen, die LEG irgendwie in den Arsch zu treten. Die Presse habe ich denen schon auf den Pelz gesetzt. Danach folgt das Übliche, kreative Aktionen vor deren Büros, eventuell am Hauptsitz in Düsseldorf, immer alles mit Medien, eine Kampagne draus machen, eine Initiative initiieren, Titel: Gutes Wohnen. Sofort für Alle.

Wird nicht viel nutzen. Sorgt aber für gute Laune bei allen Beteiligten. Und lenkt vom restlichen Welt/Kriegs-Geschehen ab. Also dann ….

03.01.2026 – Verrohung

Verrohung von unten. Gitter, die eine Brücke bei mir umme Ecke gegen Autoverkehr (siehe Bild 2) absperren, wurden in der Silvesternacht von Randalierern aus dem Straßenbeton herausgebrochen und von der Brücke auf eine ehemalige Bahnlinie geworfen.

Verrohung von oben: Die börsennotierte LEG Immobilien SE  lässt mitten in einem der kältesten Winter der letzten Jahre ihre Mieter*innen in insgesamt 36 Wohneinheiten im Spengemannweg in Hannover-Badenstedt ohne Heizung und Warmwasser.

Seit September 25 kommt es in unregelmäßigen Abständen zu Ausfällen in der Warmwasserversorgung und der Heizung. Seit dem 23.12.25 wird die gesamte Häuserreihe nicht mehr mit Warmwasser und Heizung versorgt.

Für ältere vorgeschädigte Menschen mit Herz-Kreislaufproblemen ist eine derartige Situation lebensgefährdend. Für Donnerstag und Freitag sind in der Region bis zu 12 Grad Minus vorhergesagt.

Dass die LEG ihren Mieter*innen billige Heizlüfter zur Verfügung stellt, anstatt sie bis zu einem Austausch der Heizungsanlage in Ersatzwohnungen oder Hotels unterzubringen, ist an Zynismus kaum zu überbieten. In manchen Räumen wurden 8 Grad Celsius gemessen. Mittlerweile sind schon die ersten Haustiere auf Grund der Kälte in den Wohnungen gestorben.

An diesem konkreten Beispiel eines börsennotierten Immobilienkonzerns wird deutlich, dass in unserer Gesellschaft etwas derartig aus dem Ruder gelaufen ist, dass sich immer mehr Menschen frustriert und wütend von der Demokratie abwenden. Da helfen mit Sicherheit keine blumigen Neujahrsansprachen, bei denen Bundeskanzler Merz mit weiterem Soziallabbau gedroht hat. Jener Merz, der 2016 bis 2020 Aufsichtsratsvorsitzender von Blackrock Deutschland war. Blackrock wiederum ist der größte Finanzinvestor der Welt und größter Anteilseigner der LEG Immobilien.  

Die zu Recht nach den Silvestervorfällen beklagte Verrohung der Gesellschaft fängt oben an. Der Fisch stinkt immer vom Kopf her.

Zum Hintergrund der LEG:  Die LEG Immobilien SE ist seit 2013 ein deutsches börsennotiertes Wohnungsunternehmen. Das Unternehmen besitzt rund 150.000 Mietwohnungen. Es entstand 2008 nach der Privatisierung von öffentlichen Wohnungsbeständen des Landes Nordrhein-Westfalen durch die damalige CDU/FDP-Regierung.

Die LEG zahlt regelmäßige Dividenden von ca. 4 % per anno. Der Unternehmenswert der LEG betrug zum Zeitpunkt der Privatisierung 2008 ca. 3,5 Mrd. Euro. 2023 hatte die LEG Immobilien SE eine Bilanzsumme von 19 Mrd. Euro und eine Eigenkapitalquote von 7,5 Mrd. Euro. Meine vollständige PM dazu mit ersten Forderungen und weiteren Details kann hier nachgelesen werden . Der NDR beabsichtigt darüber zu berichten.

Der Verkauf der LEG gehört zu einer Kette von Privatisierungen seit Mitte der Neunziger von Wohnungsgesellschaften in öffentlichem Besitz (Bund, Ländern und Kommunen, in Niedersachsen die damalige NILEG). Das ist eine der Hauptursachen der dramatischen Wohnsituation in Ballungsräumen.

Diese Geschichte zeigt konkret, wie Klassenkampf von oben gemacht wird, bis hin zum Totschlag. Denn nach wie vor gilt der Satz, der Heinrich Zille zugeschrieben wird: Man kann mit einer Wohnung einen Menschen genauso gut töten, wie mit einer Axt!

Der Totschlag heute erfolgt nicht mit den feuchten Wohnungen des 19. Jahrhunderts aus Zilles Milljö, sondern mit fehlenden Wohnungen. In diesen Nächten erfrieren wieder ungezählte Obdachlose auf den Straßen, unter Brücken, in Hauseingängen. Auf dem Totenschein steht nicht: Ursache Obdachlosigkeit, sondern Herzkreislaufversagen.

Allen Leserinnen ein friedliches 2026. Was ich den Trumps, Merzen, Putins und den Blackrocks und LEG Wohnen dieser Welt wünsche, überlasse ich Ihrer Phantasie….

31.12.2025 – Bonzen

Gesehen auf der Einkaufsstraße in Hannover-Linden, eine eher unansehnliche Meile mit Backshops, Billigshops und Dönerläden. Dazwischen ein, zwei etwas ansehnlichere Einzelhandelsläden wie dieser mit Klamotten.

Das Graffiti soll vermutlich linke? Kritik an der durchaus hier stattfindenden Gentrifizierung sein. Das mit den Bonzen verstehe ich nicht. Kaufen in dem Laden Bonzen ein oder gehört der Bonzen und wenn ja, welchen Bonzen? Gewerkschaftsbonzen? Parteibonzen? Konzernbonzen?

 Da stellt sich als erstes die Frage: Wer ist verantwortlich für Gentrifizierung, welche Strukturen und Institutionen sind der Adressat von berechtigter, legaler und illegaler, Kritik? Der Einzelhandel? Kleine Läden, die vermutlich auf Grund der Konkurrenz von Konzernen und Internet und hoher Mieten, Betriebskosten, Inflation sich am Existenzminimum entlang hangeln?
Oder sind für Gentrifizierung, nach etwas Überlegung und Einschaltung des noch nicht versoffenen und verkifften Restverstandes, vielleicht doch andere verantwortlich, bei denen die Kritik und das Spraygut abzuladen wäre? Die Politik vielleicht, die für den Niedergang des sozialen Wohnungsbaus verantwortlich ist? Immobilienkonzerne, die im Streben nach Profit die Mieten in unerschwingliche Höhen treiben?  Gierige Vermieter, die den Hals nicht voll kriegen? Der kulturelle Wandel, der solche Viertel für Besserverdiener interessant macht? Dieser kulturelle Wandel wurde und wird unter anderem durch Akteure betrieben wie Künstlerinnen, Studierende, Politaktivisten, die überall Graffitis hinschmieren.

Die Adressaten von Kritik und Graffitis wären also: Politik, wie: Parteibüros, Bundestag, Landtag, Rathäuser. Konzernzentralen, Filialen, Villen von Vorstandsvorsitzenden. Gleiches gilt für Immobilienkonzerne. Und natürlich die Wohnungen von Künstlerinnen, Studierenden, Politaktivistinnen, die überall Graffitis hinschmieren. Vorschlag für Schriftzug: Ihr seid schuld!

Es ist nachgerade grotesk, dass Szeneviertel wie Linden, Kreuzberg, St. Pauli etc. zugeschmiert sind bis zur Unkenntlichkeit, während in den Villenviertel, auf den Prachtboulevards wie Kudamm, die mit Klamotten von Vuitton bis Prada im vier, fünfstelligen Bereich nur so gepflastert sind, an Konzernsitzen und Bankenfilialen nichts zu sehen ist.

Das ist das Resultat einer kommunizierenden Röhre, an deren einem Ende Dummheit, am anderen Feigheit hängt. Es wird immer anstrengender und deprimierender, Linker zu sein. Nicht nur versauen einem die pseudolinken Antisemitinnen die Perspektive, zunehmend tut es auch linke Kinderei, Kleinbürgerlichkeit  . Und schiere Blödheit.

Was für einen Begriff von Utopie haben eigentlich die Graffitisten? Eine Welt ohne Konzerne und Parlamente, schön und gut. Aber ohne Einzelhandel? Soll sich in dieser Utopie jeder sein Fell selber gerben?

Oh Frau, lass Hirn vom Himmel regnen.