
Wir werden Dich vermieten. Hier liegt der Berliner Mietendeckel begraben. Gekreuzigt vom Bundesverfassungsgericht mit seinem Urteil von 2021, das den Berliner Mietendeckel für verfassungswidrig erklärt hat , beerdigt von ca. 20.000 Airbnb-Wohnungen, mit Preisen von über 50 Euro pro Nacht, und zur Hölle geschickt von den tausenden Wohnungen, die nur noch möbliert zu irrsinnigen Preisen vermietet werden (die machen die Hälfte der Inserate aus). Konsequenz: Die Angebotsmieten in Berlin liegen bei ca. 18 Euro/qm.
Ein Grab als Kunstwerk ist nicht besonders originell (siehe Kreuze bei Demos gegen die immer häufigen stattfindenden Massenentlassungen), aber es ist auch für Frieda Normalverbraucherin verständlich, eingängig und parteiisch. Früher hätte man sowas Agitprop genannt. Die Installation steht in der Berlin-Dauerausstellung im Humboldt Forum.
Das Humboldt Forum ist ein ästhetischer GAU und die in Stein gemeißelte Arroganz der Eliten der BRD im Annexionsprozess der DDR 1990 ff. Die Besiegten in der Ostzone rächen sich damit, dass sie der hiesigen Demokratie einen Arschtritt verpassen.
Sei’s drum, die Berlin Ausstellung ist absolut empfehlenswert, sinnlich, saftig, zugänglich, gibt sie einen hervorragenden Einstieg in die Geschichte und den Zustand Berlins. Ich würde das Humboldt Forum ohne mit der Wimper zu zucken sofort in die Luft sprengen, hätte ich das Knowhow dafür und könnte ich die Kollateralschäden dabei auf ein Minimum begrenzen, nichtsdestotrotz sehe ich mir die Ausstellungen dort gerne an. Und die kostenlosen Sommerkonzerte im Innenhof im Rahmen des „Durchlüften“ Festivals sind ein absolutes Highlight des Berlin-Sommers.
Diesen hier geschilderten Prozess, die lustvolle Belegung von feindlichem Territorium, nennt man das Aushalten von Ambivalenzen. Eine in Zeiten wie diesen, wo Arschlöcher in Roben asoziale BVG-Urteile fällen, und Arschlöcher im Kanzleramt mal eben das jahrzehntelange, halbwegs bewährte Rentensystem der BRD radikal in Frage stellen und bei Millionen Prekären und Normalverdienenden die ohnehin vorhandenen Zukunftsängste verstärken, zentrale psychische Resilienz-Quelle. Die Bezeichnung Arschloch für den politischen Wettbewerber ist durch den in aber auch jeder Hinsicht unappetitlichen FDP-Schmierbauchchauvinisten Kubicki jetzt strafrechtlich sanktionsfrei in die Diskussion eingeführt. Wobei das keine Diskussion ist, ich teile hier mit und diskutiere nicht. So tief kann ich gar nicht sinken, dass ich mir an sowas die Diskussionsfinger schmutzig mache.
Und ich weigere mich, den Euphemismus „Wettbewerber“ zu benutzen. Das ist und bleibt der Klassenfeind. Und vor dem Strafrecht stellt sich immer erst die Frage der Moral und somit jene, wer wohl mehr auszuhalten hat: Die von mir so titulierten Arschlöcher in Roben oder jene armen Schweine, die auf Grund ihres asozialen Urteils ihre Wohnungen verloren haben.

An den Wänden der Ausstellung im Humboldt Forum sind auch jede Menge Originale, die an vergangene Berliner Stürme erinnern, hier die Wiedervereinnahmung der SBZ. Aber auch 1968ff. Und die Novemberrevolution etc. pp… Wer sich für Geschichte interessiert, nicht nur blutleer zwischen Buchdeckel gepresst sondern sinnlich erfahrbar, ist hier richtig.
Das in Ambivalenz gegossene Fazit für Heute lautet: Feuer und Flamme für das Humboldt Forum.
















