30.08.2026 – Umsonst und draußen.

Alle Jahre wieder, Parkfest im Park Gleisdreieck, bei mir vor der Hautür. Da wird mir meine privilegierte Wohngegend bewusst: Mitten im Bergmannkiez – leider in allen Kiezrankings auf Platz 1 oder 2, entsprechend belagert von der Jugend der Welt -, im Westen die charmante Gegend um die Kunsthochschule, wo auch schon David Bowie und Iggy Pop hausten, im Osten SO 36, und ansonsten umgeben vom Viktoriapark, an den sich die riesige Freifläche Tempelhofer Feld anschließt, und vom besagten Park Gleisdreieck, über 30 Hektar auf dem Gelände des ehemaligen Anhalter und Postbahnhofes. Einmal im Jahr veranstaltet irgendein Plärrsender da sein Fest, umsonst und draußen. Laue Sommernächte, Popmusik, fremdländische Küche, Comedy.

Bei Kabarett treten die Künstler*innen nach oben, bei Comedy nach unten. Unangenehm fiel beim Parkfest ein Zeitgenosse namens Wischmeyer auf, ein von den gesellschaftlichen Veränderungen überforderter weißer, alter Mann, der pöbelnd, krakeelend und witzelnd unter anderem auf irgendein armes Verkäuferwürstchen eintrat, das sein Gestammel nicht richtig verstanden hatte. Das Ganze war irgendwo zwischen, Zitat „Pimmel“ und „Struller“ angesiedelt, hatte etwas zutiefst regressives und vergällte mir für zehn Sekunden den Abend. Beschreibt aber die Fallhöhe des deutschen Humors und den Zustand einer Gesellschaft, die sich überwiegend von Psychopharmaka ernährt, ganz gut.

Leitbilder dieser Gesellschaft sind unter anderem, und hier wird es regelrecht würdelos, Geisterbahngestalten wie diese hier. Weiße, alte Männer, die sich mit dem Schicksal des allmählichen Verfalls nicht abfinden können. An ihnen ist alles falsch, die Haare, die Zähne, das Gesicht, das Leben. Carsten Maschmeyer, der mit seinen AWD-Drückerkolonnen zehntausende Anleger*innen schädigte , bis in den Ruin trieb, und Jürgen Klopp, Fussballtrainer, der wie ein Untoter durch alle TV Werbesendungen geistert und jedem das Glotzen final vergällt, der auch nur einen Funken Geschmack besitzt. Figuren wie Klopp sind einer der Gründe, warum ich selbst einer von Stalin angeführten Sowjet-Auswahl in einem Fussballspiel gegen die Ostgoten die Daumen drücken würde.

Gerade hat die Kriegssaison wieder angefangen, die Bundesliga. Die Ultras verwandeln die Stadien der Republik permanent in eine Gewaltzone, mit lebensgefährlicher Pyrotechnik, mit Schwerletzten jedes Wochenende bei Schlägereien und Überfällen, verwüsteten Züge und Innenstädten. Es gibt ca. 25.000 gewaltbereite Ultras, die zwar im Verfassungsschutzbericht am Rande erwähnt werden und einmal im Jahr in der Presse thematisiert werden, nämlich zum Start einer neuen Saison. Aber ansonsten ist das kaum ein gesellschaftliches Thema.

Man stelle sich vor, gewaltbereite Linksextreme (ca. 11.000 laut Verfassungs-schmutzbericht) würden die Republik permanent derart terrorisieren wie es Ultras jede Woche praktizieren, es würden wöchentlich Blutbäder sonder Zahl stattfinden mit Dutzenden erschossenen Linksextremen.

Mag ja sein, dass dieser bis auf wenige Ausnahmen immer auch faschistisch konnotierte Fußball-Terror eine Art Katharsis-Ritual bildet, in denen die mörderischen Männerphantasien zigtausendfach regelmäßig halbwegs kanalisiert und geläutert werden. Die sich sonst permanent als Bürgerkrieg in der ganzen Republik abreagieren würden, so dass sich ansonsten Frauen, Schwule, Diverse, Jüd*innen überhaupt nicht mehr sicher auf den Straßen bewegen könnten. Trotzdem sollte öfter mal seitens des Repressionsapparates von der Schusswaffe Gebrauch gemacht werden.

Oops, da ist wohl meine Phantasie mit mir durchgegangen.

Enden wollen wir versöhnlich-melancholisch mit dem allmählichen Abschied vom Sommer. An einem Abend spielten bei obigem Parkfest überlebende Reste von Ton Steine Scherben.

Im Publikum klassische Gesamtschullehrer mit Rio-Tournee-T-Shirts, aber auch einige prekäre Existenzen, die aus der SO 36 Revolte von damals nicht den Absprung gefunden hatten. Wermutstropfen in einem ansonsten sehr charmanten Sommerabschied, umsonst und draußen.

27.08.2026 – Sozialistisches Biotop

Bis zum 01.10.2026 läuft die Aktion Volksbad der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz in Ostberlin noch. Eine absolut geniale öffentliche Intervention des neuen Intendanten Matthias Lilienthal. Für die er prompt rassistische Drohungen erhielt, weil er an einem Tag Schwimmen nur für Menschen schwarzer Hautfarbe ermöglichen wollte. Das musste aus Sicherheitsgründen abgesagt werden. Besser kann Kunst die Brüche und Verwüstungen der Gesellschaft nicht ins Bild setzen.

Ich habe dafür ein Zeitfenster ergattert.

Die Zeitfenster im Internet sind auch auf Grund des medialen Echos dieser Aktion immer ausgebucht. Tipp: Gegen 10 Uhr einfach hingehen und nachfragen, die haben immer ein Kontingent an Plätzen für spontane Besuche. Das Schwimmen in dem 25 Meter Becken hat vor dem Hintergrund der Volksbühne mit der Silhouette des Fernsehturms und dem Panorama des Rosa-Luxemburg-Platz einen ästhetischen Eigenwert. Dieser Platz mit seiner linken Infrastruktur atmet wie ein Biotop einen Hauch von Sozialismus. Hier hat die Linke ihr Hauptquartier, die Tageszeitung junge welt ihren Sitz, das Babylon Kino macht hier linkes Kino und zahlreiche Projekte haben ihren Sitz hier.

Hinterher gab es Volksbad-Pommes und Fritz Cola und das Ganze war nebenbei herrlich erfrischend, denn es war mal wieder heiß in Berlin.

Nachtrag, spontan, was ich selten mache: Glühwein to go. Im Berliner Nikolaiviertel. Hier geht’s gerade in Richtung 30 Grad….

24.08.2026 – Vegetarierer*innen, Augen zuhalten. Impressionen eines City-Besuchs.

Dry aged, 28 Tage. 99,50 Euro. Nicht der ganze Ochse, sondern ein Kilo. Gesehen in der hannöverschen Markthalle, wo ich ab und zu mal Grillwürstl einkaufe. Ungeachtet der Tatsache, dass Tierhaltung klimaschädlich ist.

Aber da Bundeskranzler Pinocchio nur drei Prioritäten in seiner Politik kennt, nämlich Wachstum und Wachstum , muss ich mir um das Wetter keine Sorgen machen. Regnet doch sowieso gerade. Was die Leute immer mit ihrem Klima haben. Gut, neulich war es mal wieder warm, aber warm war es früher auch. Als ich noch jung war…

Ich kriege gerade die erste Verspätungsmeldung für DB nach Berlin. Früher, siehe oben, habe ich die Bahn immer verteidigt. Mittlerweile bleibt mir angesichts des chronischen Desasters nur noch der Griff in meine mobile Witzothek :  

„Fahrkartenkontrolle in der Regionalbahn. Opa zeigt dem Kontrolleur sein Ticket.

Der sagt: „Das ist ja ein Kinderfahrschein.”

Opa: „Da sehen Sie mal, wie lange ich auf die Bahn warten musste!”

Ein echter Brüller. Nichts für Pendler*innen.

In Vorbereitung auf Berlin war ich am Wochenende in der hannöverschen City. Ein Riesenpolizeiaufgebot. Kein Vorkriegszustand wie Fussball, sondern Wahlkampf

AfD. KfZ-Kennzeichen H-XS 127.

FDP. Ich griff mir einen Kochlöffel da ab, bei den demokratischen Parteien nehme ich alles mit, was ich kriegen kann. Kochlöffel eignet sich gut zum Versohlen. Der Kandidat, dick und hässlich, salbaderte mich getragen voll: „Wählen mit Verstand.“ Ich: “Ja. Deswegen wählt Euch ja auch keiner mehr.“ In das perplexe Schweigen der gelbliberalen Schranzen am Stand griff ich mir noch einen Kuli und verzog mich zum Stand eines hiesigen Wohlfahrtsverbandes, wo mein Übermut gedeckelt wurde. Den Verein kenne ich noch aus meiner aktiven Zeit und so scherzte ich mit der Geschäftsführerin. Kurz. Ihr Lächeln erlosch, sie schaute über meine Schulter, strahle nun wie ein AKW im Notfall, tirilierte in den höchsten Tönen:

“ Ach, da ist ja der zauberhafte Herr von der Ohe“, drehte mir den Rücken zu und beachtete mich von da mit weniger Interesse als einen Kuhfladen. Herr von der Ohe ist der hiesige SPD-Oberbürgermeisterkandidat, von dem man nach dessen Desaster nach der hiesigen Kommunalwahl nie wieder hören wird, der sich aber nichtsdestotrotz an alle wehrlosen zivilgesellschaftlichen Infostände in der City ranwanzt. Der Mann hat soviel Charisma wie ein Rechenschieber und seine Mitbonzen sind hier in Hannover in einen unglaublichen Korruptionsskandal   verwickelt, der ihnen wie Kuhscheisse am Hacken klebt.

Nachdem mir mein Marktwert derart deutlich vor Augen geführt wurde, brauchte ich Alkohol.

Um die Ecke fand ein Weinfest statt, wo es gute Winzersekte zu verklappen gibt. Es war noch heller Nachmittag, aber über dem Setting waberte eine Wolke von Trunkenheit, Bürgertum und Brunft. Ich bahnte mir einen Weg zum nächsten Chardonnaysekt, da stellte sich mir eine noch halbwegs (?) nüchterne Dame (?) mittleren (?) Alters in den Weg und adressierte mich: „Na, Du Saxophonist?“ Ich bin schon schlagfertig, aber darauf konnte selbst ich nur röcheln: „Das muss eine Verwechslung sein.“ Und suchte und fand das Weite, aber nicht meine Ruhe. What the fuck meint das, Saxophonist? Ist das eine Codierung für Eingeweihte? Eine welterfahrene Freundin vermutete, dass es was mit Blasen zu tun hat.

Nachdem ich danach leicht angeschickert vergeblich ein Paar Sneakers kaufen wollte, hatte ich am Ende des Tages Blasen. An den Füßen. Ich hasse die City. Das Personal im Schuhladen wollte mir allen Ernstes erzählen, sie würden im „System“ Schuhe nur nach Artikelnummer führen, nicht nach Bezeichnung. Echt was für meinen Witze-Verleih….

Scheißsystem, sag ich doch immer. Kapitalismus.

21.08.2026 – Sicherheit durch Recht und Ordnung

Obdachlose haben den Bundestag besetzt. KI-Umsetzung meiner Utopie.

Die SPD hat’s gut, getreu dem Arbeiterlied „Wann wir schreiten Seit an Seit“ marschiert sie geschlossen in ihren Untergang. Die Machterhaltungsmaschine CDU, von keinerlei Skrupeln oder gar Moral geplagt, tut sich da schwerer, ihr Marsch in den Untergang ist von Zerreißproben und Spaltungstendenzen flankiert. Ihr notdürftig-liberaler Demokratieflügel will unter keinen Umständen mit der AfD irgendwas machen, zumindest ist das der Stand von Heute, 8.42 Uhr. Ihr offen reaktionär-faschistoider Flügel will auf keinen Fall auch nur eine Berührung mit der Linken, um jene Demokratie zu retten, die er in Wirklichkeit fast ebenso verabscheut, nur gewaltfreier (Stand Heute, 8.43 Uhr), wie die AfD.

Ein Blick in ein zweiseitiges Geschichtsbuch vom Ende der Weimarer Republik zeigt genau das gleiche Muster bei den damaligen Bürgerlichen. Der reaktionär-faschistoide Herrenreiterflügel um Franz von Papen glaubte, die Nazis einhegen zu können. Ein Irrtum, den einige von ihnen mit dem Leben bezahlten.  Ein paar Restliberale gingen in die innere oder äußere Emigration. Da war die Restwelt noch liberal mit Migranten, außer den Käse-Nazis der Schweiz. Man wird sehen, welcher CDU-Flügel sich nach den Wahlen respektive vor den Wahlen durchsetzt. Ich hab da so eine Ahnung….

Nichts jagt dem Bürger mehr Angst ein als Auflösungen, von Ordnung, Körpergrenzen, Sitte und Anstand. Ordnung ist sein halbes Leben, die andere Hälfte ist Sicherheit. Koste es, was es wolle. In Zeiten auflösender Ordnungen brechen sich Ordnungsphantasien beim noch nur verbal amoklaufenden Bürgertum immer ungehemmter Bahn. So in der dümmsten Zeitung des Universums, der HAZ. Dort erbricht ein Schmierant unter der Überschrift „Hannover hat ein Ordnungsproblem“ Drohendes gegen Obdachlose und Prekäre in seinen Laptop. In einer hiesigen Einkaufsmeile namens Passerelle, Spitzname „Pissrille“, hahaha, fast so wichsig wie der grauenhafte Berliner Volksmund, lagern immer mehr Obdachlose, Prekäre, Drogenabhängige, Dealer. Darüber kann sich nur wundern, wem in seinem schnuckeligen Redakteurs-Eigenheimgarten beim letzten Sturm ein Ast auf den Kopf gefallen ist und dort einen noch größeren Dachschaden als bisher angerichtet hat. In Zeiten des durch Nichts gehemmten Raubzuges des Kapitals durch unsere Ordnungen wächst die Armut, Arbeitslosigkeit, die Wohnungslosigkeit, die Zahl der Drogentoten, die Zahl der Entwurzelten, während auf der anderen Seite der Reichtum explodiert, die Mieten in den Metropolen ins unendliche wachsen etc. pp.

Hannover hat also kein Ordnungsproblem, sondern ein Verteilungsproblem. Wie Macht und Geld im Staate verteilt sind, das ist aus den Fugen geraten. Die Folgen sieht frau auf den Straßen. Der Hass darauf, und die Angst davor, dass es ihm bei mangelnder Willfährigkeit ähnlich ergeht, lässt unseren Schmieranten zum drohenden Wüterich werden: „So kann es nicht weitergehen“.

Das kann tödlich für die Betroffenen enden. Bereits jetzt werden in manchen Kommunen Vertreibungsbusse eingesetzt. Dort werden die störenden Unordentlichen eingesammelt und an den Stadtrand oder entlegene Ecken verfrachtet. Wo sie schon mal unbemerkt und unerreicht in kalten Wintern verrecken können.

Und das ist nur Stufe 1 der bürgerlichen Eskalation. Die Endstufe ist der „Schwarze Winkel“. Den trugen sogenannte „Asoziale“ in den KZs der Nazis: Obdachlose, Langzeitarbeitslose, Suchtkranke, Sexarbeiterinnen ….

Zur historischen Einordnung des Begriffs Ordnung: Der Wahlkampfslogan der faschistischen NPD in den 60ern lautete: Sicherheit durch Recht und Ordnung.

Gemini weigerte sich übrigens, folgenden Prompt in ein Bild umzusetzen:

„Erstelle mir ein Bild, wie Obdachlose eine Zeitungsredaktion verwüsten.“

19.08.2026 – Was wäre, wenn …

Wie wäre die Geschichte verlaufen, wenn Hitler sein Leben lang in bayerischen Wirtshäusern als Kellner gearbeitet hätte, wie ich es hier die KI habe erstellen lassen? Stattdessen hat er ja leider als Demagoge und Redner nach dem ersten Weltkrieg unter anderem im Hofbräuhaus und zahlreichen Bierkellern einen riesigen Erfolg und Zulauf gehabt.

Die Frage nach dem „was wäre, wenn…“ rührt in diesem Fall an eines der Grundprinzipien des Faschismus: Wie stark basiert erfolgreicher Faschismus auch auf Führerpersönlichkeiten und wie groß ist der strukturelle Anteil an seinem Erfolg von Dispositionen der Massen, ihren Emotionen, Sehnsüchten, Phantasien, unabhängig von jeweiligen Führerpersönlichkeiten? Sicher hätte es in der Weimarer Republik, unabhängig vom Kellner Hitler, Faschismus als Massenbewegung gegeben, auch erfolgreich in der Machtübernahme von der Demokratie. Aber wäre er so erfolgreich geworden, so eliminatorisch-mörderisch, vernichtungsgewillt bis zum eigenen Untergang, wie es der Hitler-Faschismus war oder eher „moderat“ klerikal wie der Franco-Faschismus, der sich bis in die Siebziger hielt?

Die Frage ist keine Erbsenzählerei für Historiker, sondern aktuell brennend relevant, was den weiteren Aufstieg der AfD angeht. Führer-Persönlichkeiten hat die nicht, Malermeister Chrupalla kann froh sein, wenn er einen Satz, einen Pseudogedanken unfallfrei bis zum nächsten Komma rettet, und Weidel ist viel zu sehr eingeschnappte Krampfhenne als dass sie den nötigen Hauch von souveränem Charisma über die Bühne, die Kameras bringt. Aber was, wenn denen ein Volkstribun, ein Rhetor erwächst? Und wie würde der Heute, zwei Generationen später, aussehen? Oder hat sich die Faszination, der notwendige Erregungszustand, um Regeln und Anstand zu überschreiten, der Massen in die digitale Welt, in die sozialen Medien verlagert?

Und wie geht man dagegen vor, wie sollte zeitgenössischer Antifaschismus aussehen? Da gibt’s nicht den einen Königsweg. Aber eine Methode hat Chaplin vorgemacht, in „The Great Dictator“ von 1940: Er machte Hitler lächerlich. Kurz vor Gartenzwerg

Lächerlich. Versuch Nr. 1. Joseph Goebbels. Wir, KI und Ich, arbeiten dran. Interessant: Gemini verweigert die Erstellung eines Bildes von Alice Weidel als Gartenzwergin.

Regelrecht bedrohlich wird es, wenn man Faschisten der Zeitgeschichte in aktuelle Alltagsbezüge einbettet, entkleidet ihres Pathos, ihrer Dämonie, ihrer Lächerlichkeit. Hermann Göring war mitverantwortlich an höchster Stelle  für den Holocaust, die Kriege, aber er war in seinem Pathos und seinem Schmierentheater in diesen albernen Uniformen auch lächerlich.

Als normaler zeitgenössischer Redner im Bundestag wirkt er schon ganz anders, irgendwie gruselig. Nur gemildert dadurch, dass die Szenerie nicht der Bundestag ist, sondern höchstens der Kreistag von Psycho-Pannenberg, in Fachkreisen auch als Lüchow-Dannenberg unbekannt.

Angesichts der Tatsache, dass es regnet, saukalt ist und ich jetzt schon den Sommer vermisse, habe ich natürlich Null Bock, mich dauerhaft mit den Abgründen der Geschichte zu beschäftigen. Und so verfeinerte ich die Szenerie der Reise unserer Hippies im Wohnmobil nach Korfu vom letzten Blog. Der war ja versöhnlich friedlich geendet. Ich ließ meine Phantasie etwas schweifen und entwarf dieses Setting, Hippies in den besten Jahren, in einer fröhlich zechenden, kiffenden Dreierkonstellation.

Wir wollen jetzt nicht über mangelnde Diversität in der Abbildung diskutieren, fragen uns auch nicht, wie lange diese Konstellation wohl gut gehen würde, wie sehr männlicher Größenwahn bei dem Prompt ein Rolle gespielt hat, und ob die Crew in dem breiten Kopf nicht irgendwann über eine korfiotische Küstenstrasse ins Meer kachelt, sondern beklagen eher den mangelnden Mut der KI. Die meinen Prompt nur begrenzt ausgeführt hat. Denn wir erinnern uns, anders als Heute herrschte in Hippiekreisen das Primat der fröhlichen Abwesenheit von Klamotten jeglicher Art, bis auf Jesuslatschen …. und so wollte ich es auch haben.

Aber nett sieht es doch aus, oder?

17.08.2026 – Über das Erstellen von Bildern mit KI und die philosophischen Aspekte dabei

Drei ältere Herren im Wohnmobil unterwegs nach Korfu.

Unlängst gab ein Freund seine Wohnung auf und schaffte sich stattdessen ein Wohnmobil an. Ein durchaus bemerkenswertes Unterfangen, da er ungefähr in meinem Alter ist, also deutlich jenseits juveniler Flausen. Ich lud mich und einen weiteren Freund zur Besichtigung ein, schlug scherzhaft einen gemeinsamen Korfu-Trip in dem Gefährt vor und im daraus folgenden Mailverkehr regte der Wohnmobilist an, ich sollte von dem Setting mal ein KI-Bild erstellen. Obiges Ergebnis evozierte bei mir beinahe einen Schlaganfall. Abgesehen von der zwielichtigen Straßenführung: Lieber im Sarg als so sein.

Das Ergebnis meines meines zweiten Prompts war mir da schon näher, bis in die Details: Drei ältere Hippies Biertrinkend und kiffend im Wohnmobil unterwegs nach Korfu. Was mir aber erheblich auf  die Eier ging: Gemini AI hatte da einen vierten eingebaut, ans Steuer gesetzt, weil die drei ja Bier trinken und kiffen sollten. Was am Steuer irgendwie verboten ist. Wo bleibt die Freiheit der Kunst, der Hauch von seniloider Freiheit und Abenteuer?!

Viel schlimmer für mich allerdings diese Anhäufung von Männern. Vier auf einem Haufen ist ein No Go. Männeransammlungen sind der Anfang vom Untergang, die Vorstufe der Apokalypse. Fußball und Bundeswehr. Grauenhaft, danach kommt nur noch Krieg. Das schlimmste Wort der deutschen Sprache, noch vor Weltuntergang und Beulenpest, ist: Männerrunde.  

Schon besser: Mein dritter Prompt. Liebevoll bis ins Detail, beachten Sie bitte die Tonband-Kassetten. Sicherlich mit der Woodstock-Version von Jefferson Airplanes „Volunteers of America“ .

Auch das spießige Hinzufügen eines Fahrers ist flachgefallen. Aber, irgendwas hat Gemini da geritten. Entweder war es das Insistieren auf Kiff, das Gemini irgendwann selbst benebelt hat (unwahrscheinlich) oder diese KI mach noch jede Menge Fehler. Oder aber, viel schlimmer, dieser Algorithmusklumpen ist derart legalistisch eingestellt und mit der Freiheit der Wahl ausgestattet, dass er sich und mir gesagt hat: Fuck you, clowns (Ein Gruß an alle Frank Zappa-Fans). Und hat den Fahrer – natürlich Mann, darüber kann man auch mal diskutieren – einfach verkehrt rum gesetzt und das Lenkrad in den Sitz geschraubt, womit das Fahren nach den Gesetzen der Logik und der Automobilindustrie unmöglich ist.

Das wäre die schlimmste Variante, würde die doch bedeuten, dass der Klumpen irgendwie hinterhältig, durchtrieben, ja perfide vorgeht und seinen Meister, den Prompter, bescheisst. Eine gruselige Vorstellung. Freier Wille bei einer KI bedeutet die Apokalypse. Freier Wille ist auch schon beim Menschen Scheisse, wo das hinführt, sehen wir ja, ich bin für ein Verbot des freien Willens. Aber über so Zeug kann man wenigstens pseudophilosophischen Quark absondern.

Ich muss zugeben, dass mir das Erstellen der Bilder einen Heidenspaß gemacht hat. (Ist das Gegenteil von Heidenspaß eigentlich Christenlangeweile?). Es führt ja auch über den Spaß zum Nachdenken und das ist laut Walter Benjamin bekanntlich der beste Weg zum Nachdenken.

Im nächsten Blog eine kleine Geschichte über meine Erfahrungen mit KI im Zusammenhang mit Adolf Hitler, Hermann Göring und Joseph Goebbels. Bleiben Sie drin, es wird spaßig. Aber nicht nur….

14.08.2026 – Nachrichten aus der Provenz

Claudio Provenzano. Kandidat der Blauen in tiefer Provinz, einem Vorort der Hölle namens Gurbsen. Das Plakat zeigt auch das Foto einer Bahn und eines Hauses, dessen menschenleere Trostlosigkeit die Betrachterin sofort in tiefste Depressionen versetzt. Und als ob das noch nicht genug wäre, droht die blaue Frohnatur, dass mit ihm noch mehr davon möglich gemacht werde. Weitermachen. Wie bisher.

Oh Ihr Götter, tilgt dieses Menschengeschlecht vom Antlitz der Erde. Oder lasst wenigstens die Kommunalwahl in Hannover schnell vorbei sein.

Neulich bei einem deliziösen Mahl diskutierten wir angeregt die Folgen der Klimakatastrophe, die wir jetzt spüren. Zum Beispiel Nahrungsmittelknappheit. Szenen bei uns wie aus Westernfilmen, bei denen ein Topos für den Beginn von epischen Katastrophen oft Trockenheit, Dürre ist. „Wir werden das Vieh schlachten müssen“, sagt der Held, auf seinem Pferd, schiebt sich sorgenvoll den Stetson in den Nacken, wischt sich den Schweiß von der Stirn, richtet sich im Sattel auf und schaut über seine Schulter zum Horizont, wo die Sonne erbarmungslos vom Firmament brennt. Die Kamera schwenkt über bleiche Rindergebeine und Staubfahnen wehen vom dürren Wüstenboden unheilvoll gen Osten.

Auch bei uns wird Vieh geschlachtet werden müssen, weil wegen der Wasserknappheit kein Futter mehr da ist. Es ist jetzt schon, weit vor Ende des Sommers, von Totalausfällen bei Ernten die Rede. Früher war eine derartige Situation die Grundlage von Hungersnöten (Mitte des 19. Jahrhunderts starben auf Grund der Kartoffelfäule über eine Million Iren an Hunger) und nach drei ähnlich gelagerten Jahren in Folge hätten die betroffenen Eingeborenen ihre Sachen gepackt und wären weitergezogen. Sowas nennt man heute übrigens nicht mehr wie im Western „Treck“, sondern Migrationsbewegung. Eine riesige innerstaatliche Migration als Folge von menschengemachter Dürre und der Vernichtung der Existenzgrundlage fand vor weniger als 100 Jahren in den USA statt. Hunderttausende Farmerfamilien zogen damals über die Route 66 von Arkansas und Oklahoma ins gelobte Land, nach Kalifornien, um dort ihr Glück zu finden. Sie fanden aber nur Ausbeutung, Hunger und Fremdenhass. Nachzulesen in „Früchte des Zorns“ von John Steinbeck.

Bei uns ist das nicht zu befürchten. Wir kaufen auf dem Weltmarkt Viehfutter und Nahrung für uns. Das wird zur Folge haben, dass in den exportierenden Ländern Futter und Nahrung für die Eingeborenen knapp wird, weil die mit den Weltmarktpreisen nicht konkurrieren können. Also machen die sich dann nicht über die Route 66 sondern über das Mittelmeer auf, um hier ihr Glück zu finden. Wenn sie Glück haben, finden sie hier Ausbeutung, Hunger und Fremdenhass. Wenn sie Pech haben, finden sie im Mittelmeer den Tod. Diesen Prozess im Vergleich zu „Früchte des Zorns“ nennt man Fortschritt.

Was ist bei uns zu erwarten? Die Lebensmittelpreise, die für Dünger, Energie etc. werden „explodieren“. Wenn sich der Mob hierzulande im nächsten Jahr noch nicht mal mehr Kartoffeln leisten kann, möchte ich mir lieber nicht ausmalen, wie die nächste Bundestagswahl ausgeht. Die Kartoffelernte wird jetzt schon um 40 % geringer ausfallen, die Knollen sind Flachwurzler und leiden am heftigsten unter den ausgedörrten Böden.

Da passt die Meldung vom Statischen Bundesamt zu, nach der der Stellenrückgang in der Autoindustrie im Vergleich zum Vorjahr 5,8 Prozent beträgt. Hier ist eine ungeheure Dramatik des Abstiegs im Gange. Zehntausende gutbezahlte Facharbeiter vor dem Aus ihrer wutbürgerlichen Existenz, die vielleicht noch die Wahl zwischen Amazon-Fahrer und Pommesbrater bei MacDoof haben. Oje. Die sind teils noch gewerkschaftlich kampferprobt und Straßen erfahren. Wenn die auf die Straße und an die Wahlurne gehen, dann gute Nacht, Marie.

Mit dem Pommesbraten ist das perspektivisch allerdings auch so eine Sache. Die Kartoffeln für Pommes sind am meisten von Ernteausfällen betroffen. Und wer kann sich schon 5 Euro für ne Portion Pommes bei MacDoof leisten

13.08.2026 – Ich will ja nicht an meiner Seele Schaden nehmen.

Wahlkrampf. Kommunalwahl in Hannover am 13.09.2026. Dieser Kandidat möchte weiter auf Augenhöhe reden, ist aber sowas von deutlich abgehoben über dem gemeinen Volk, dass jenes folgerichtig schweigend desinteressiert überall hinguckt, nur nicht kommunikativ in Richtung Kandidat. Der auch nur müde irgendwo ins Leere grinst. Soweit so halblustig, weil  die verantwortliche Werbeagentur mit Sicherheit im politischen Gegnerlager zu verorten ist und der hier ins Bild gesetzten Partei eins reinwürgen will.

Klarer die Kampfansage der wildgewordenen Kleingärtner von den Halbnazis der Wählergemeinschaft Die Hannoveraner. Es wird erbarmungslos nach unten getreten. Klassenkampf in einer der niederträchtigsten Formen. Gegen Sozialbetrüger.

Es sind ja nicht nur die Vollnazis von der AfD, die der Demokratie ans Leder wollen. Es sind ja auch die vielen Kleinparteien unter „Sonstiges“, die oft lupenreine Querulanten und Antidemokraten sind, siehe die Coronaschwurbler und Antisemiten von der Partei „Die Basis“.

Dazu kommen noch ca. 20 Prozent Nichtwähler*innen.

Die Wahlbeteiligung steigt leider in den letzten Jahren teils deutlich. Das zahlt überwiegend auf das Konto der AfD, Nichtwählende sind im Normal eher antidemokratisch orientiert. Würde die AfD Adolf Hitler als Kandidaten aufstellen, würde die Wahlbeteiligung wieder bei über 90 Prozent liegen wie Anfang der Siebziger. Willy wählen. Willy Brandt. Nicht Willy Millowitsch.

Das antidemokratische Spektrum unserer Gesellschaft ist übrigens weit größer als die 30 Prozent AfD plus 6 Prozent Sonstige plus sagen wir mal 15 Prozent Nichtwählende, womit wir ja eh schon bei über 50 Prozent sind.

Ca. 14 Prozent der erwachsenen Bevölkerung, 10 Millionen, sind nicht wahlberechtigt. Zum größten Teil Migrationshintergrund. Und wer einmal mit offenen Augen durch Neukölln gegangen ist, durch die arabische Community da, der kann auch nur beten, dass das so bleibt. Man muss schon sehr mit dem grünalternativen Klammerbeutel gepudert sein, wenn frau glaubt, dass die vorherrschende Kultur dort eine diverse Bereicherung für unser demokratisches Gemeinwesen ist. Also spreche ich jetzt der Hälfte der Nichtwahlberechtigten einfach mal, dummdreist wie ich nun mal bin, eine demokratische Gesinnung ab. Wir wollen ja nicht verallgemeinern, daher nur die Hälfte. Da sind wir nach Eva Riese bei 58 Prozent der hier Lebenden, die keine ausreichend demokratische Gesinnung haben. Wenn wir noch die Stalinisten und Antisemitinnen bei den Linken dazunehmen plus die Neoliberal-autoritären, die zum Beispiel einen Klassenkrieg gegen vermeintliche Sozialschmarotzer jederzeit befürworten und daher nur Papierdemokarten sind, kommen wir einer Zweidrittelmehrheit sehr nahe.

Zwei Drittel der deutschen Bevölkerung lassen mit Fuck und Recht Zweifel an ihrer demokratischen Gesinnung aufkommen. Wahrscheinlich sind es 80 Prozent. Aber wir wollen mal viere gerade sein und Gnade vor Rechts ergehen lassen.

Volk, mir graut vor Dir.

Sozialbetrug, um jetzt mal ironiebefreiten Klartext zu reden, ist die edelste Form der Selbstbereicherung ohne Arbeit und nichts weiter als Notwehr. Ich würde gerne eine Sozialberatungsstelle ins Leben rufen, in der ausschließlich über risikoarme Formen des Sozialbetrugs für Arme beraten wird. Von Grundsicherung kann man nicht leben sondern höchstens existieren bis vegetieren. Daher ist radikal zu fordern: Betrügt. Plündert. Stehlt.

Fakten dazu liefert der kirchliche Dienst in der Arbeitswelt Bayern: Im Jahr 2023 entstand durch Sozialhilfebetrug ein Schaden in Höhe von 260 Millionen Euro. Der durch Steuerhinterziehung verursachte Schaden ist um ein Vielfaches höher. Experten schätzen ihn auf 50 bis 200 Milliarden Euro. Damit ist die Steuerhinterziehung zwischen 192- und 769-mal größer als der Sozialhilfebetrug.

 Der Lohnraub durch Arbeitgeber beim Mindestlohn , also bei denjenigen, die von ihrer Arbeit gar nicht leben können, betrug in 10 Jahren 64 Mrd. Euro.

Es wäre also aus moralischen und faktischen Gründen folgerichtig, wenn auf Wahlplakaten gegen das Kapital, gegen reiche Steuerhinterzieher und Arbeitgeber, „gehetzt“ würde.

Stattdessen, siehe oben. Und der Mob heult im Chor den gleichen kranken Sound mit.

Volk, Du ekelst mich an.

Aber draußen lacht die Sonne, also lache ich mit. Ich will ja nicht an meiner Seele Schaden nehmen.

12.08.2026 – Über Brandmauern. Zur historischen Einordnung des Mauerbaus am 13. August 1961

Stadtmagazin Schädelspalter, 13. August 1991. Sternfahrt mit Sackkarren zum Wiederaufbau der Mauer. Wenn etwas von mir bleiben wird dereinst, nach meiner Himmelfahrt, dann ist es der SCHUPPEN 68.

Man kann gegen die Mauer sagen, was frau will, eins war sie auf jeden Fall: Eine Brandmauer. Ein antifaschistischer Schutzwall. Wirksamer als diejenige Brandmauer, die in der aktuellen BRD von dem Moment an nicht existierte, als der Begriff in Mode kam.

An der innerdeutschen Grenze starben von 1949 bis 1989 mindestens 327 Menschen durch Schüsse, Minen und Selbstschussanlagen. Jede*r Tote, der an einer Grenze stirbt, ist einer zuviel. Als Utopie gilt nach wie vor: No borders. Keine Grenzen. Zwischen Staaten. Und im Kopf.

Aber wie das mit Utopien so ist … Ohne die Mauer hätte es die DDR ein paar Jahre nach ihrer Errichtung nicht mehr gegeben. Es ist das völkerrechtlich legitime Recht eines Staates, seine Existenz zu schützen, auch im Rahmen des staatlichen Gewaltmonopols. So beklagenswert jede*r Mauertote auch ist. Und als übergeordnete Funktion wirkte der Wettkampf zweier Systeme in Ost und West, inclusive Mauerbau, friedensstiftend und antifaschistisch. Bei allen Abzügen in der B-Note, der Haltungsnote.

Diese Funktionen sind obsolet. Seit dem Fall der Mauer, seit der Kapitalismus grenzenlos gesiegt hat, ist der Zahl der Kriege auf einen Höchststand nach dem Zweiten Weltkrieg gestiegen. Die Zahl der Demokratien ist dagegen auf einen Tiefststand gefallen. Keine 30 Staaten mehr gelten als Demokratien. Der Faschismus ist auf dem Vormarsch.

Laut Amadeu Antonio-Stiftung gab es seit 1990 mindestens 223 Tote durch rechte Gewalt (durch linke Gewalt, das nur am linken Rande, keinen). Seit 1990 zerfällt die globale Ordnung zunehmend, die Verheerungen des Kapitalismus zerstören ganze Staaten, machen sie unbewohnbar (Ganz direkt auch durch die Klimakrise, das nur am ökologischen Rande). Seit ca. 10 Jahren gibt es daher wachsende Flüchtlingsbewegungen, gegen die sich in Europa durch wachsende rechte Politik die Länder abschotten. Reale Brandmauern auf Land und auf See. Seitdem sind im Mittelmeer ca. 22.000 Flüchtlinge ertrunken. 60mal so viel Tote wie an der Mauer.

Man kann und darf Tote nicht gegeneinander aufrechnen. Aber ein paar einordnende historische Randbemerkungen wollte ich denn dann doch (sagen Sie das mal laut vor sich hin „denn dann doch“, Lautmalerei, Poesie) hier mal loswerden, bevor die Bürgerpresse anlässlich des 65. Jahrestages des Mauerbaus ihr Unisono-Gewäsch über die Republik erbricht. Hat sie wohl auch teilweise schon, aber das nehme ich nicht zur Kenntnis. Ich male mir mein eigenes Weltbild. Und das ist auch gut so. Also sowohl das Malen wie auch das Weltbild.

Immer rausgehen mit einer Pointe, daher DDR-bezogen dieser: Warum ist die Banane krumm?

Weil sie 40 Jahre einen Bogen um die DDR machen musste.

Ein echter Brüller. Bückware aus meinem Witzeverleih Für die Überschrift: Der „Nischen Mario-Barth“ könnte ich die taz heute noch würgen. Aber es ist Sommer und ein Hauch von poetischer, zärtlicher Langsamkeit liegt in der Luft. Was soll’s also.

10.08.2026 – Ich bin Gewinner des Klimawandels

Oliven in meinem Garten. Sowas hatte ich früher nicht

Der Baum, ein korfiotischer Ölbaum, erinnert an einen verstorbenen Freund. Wir haben den vor Jahren feierlich gepflanzt und begossen. Mittlerweile ist er so groß, dass ich ihn winters nicht mehr in den Keller stellen kann und er, siehe oben, unter veränderten Klimabedingungen auch in unseren Breitengraden Früchte trägt. Besagter Freund flüchtete, wann immer möglich, sein ganzes Leben lang vor den Zumutungen des hiesigen Daseins nach Korfu. An den FKK-Hippiestrand Mirtiotissa, vor 30 Jahren ein Paradies. Das Beste, was man heute über den sagen kann, dass es ihn bald nicht mehr gibt, weggespült und überschwemmt. Klimawandel. Heute liegen dort nur noch Touris in drangvollster Enge und alte griechische Säcke, die sich da einen runterholen. Ein paar Kilometer nördlicher liegt der neuntschönste Strand Europas, laut Stern.

Porto Timoni auf Korfu. Ich halte ihn für den achtschönsten. Was aber nicht so viel heißt, ich kenne nur zwei Hände voll Strände. Was sich übrigens reimt, deswegen habe ich es auch geschrieben. Porto Timoni sieht sehr schön aus. Positiv: Man kommt nur zu Fuß dahin, über eine anspruchsvolle Kraxelei. Junge, unbefangene Väter aus aller Welt packen sich ihren Nachwuchs auf die Schultern und stiefeln den steilen Stolperpfad in Flipflops da runter. Man möchte weinen vor so viel Blödheit.

Um 11 Uhr liegen die Leute da gestapelt übereinander. Das ist ja schließlich ein weltweit bekannter Geheimtipp. Da dort keine Infrastruktur vorhanden ist, scheißen diese Myriaden von Touris ein paar Meter abseits (wenn man Glück hat) überall hin. Das Ganze ist ab Nachmittag in prallster Sonne eine im wahren Sinne atemberaubende Schönheit.

Wir sind mal ein paar Meter weiter über den hellen Pfad zum Strand gekraxelt, wo steht: „Hier ist einigermaßen ok.“ Die Kraxelei ist aber so ambitioniert, dass ich mir das mittlerweile schenke.

Als Fluchtpunkt eignet sich die Gegend im Nordwesten Korfus allerdings abseits der hier geschilderten Vorhöfe zur Hölle immer noch. Drei Kilometer hinter der Strandlinie sterben die kleinen Dörfer langsam aus und atmen eine melancholisch-zauberhafte Atmosphäre.

Nichts. Wie. Hin.

Vielleicht fragen Sie, geschätzte Leserin, jetzt, wieso ich das nicht meinem Barbier erzähle?

Erstens werde ich für diesen Blog nicht bezahlt, er ist also ein Ort großer individueller Freiheit.

Und zweitens will ich mit diesem meinem subjektiven Faktor (Kampfbegriff aus früheren Zeiten) meinen persönlichen Fluchtreflex verdeutlichen. Ein Reflex, der viele auf unterschiedliche Weise angesichts der objektiven, herrschenden Zustände befällt.

Fluchtreflexe werden auch in Süchten ausagiert. Die klassischen Süchte nehmen etwas ab, weniger Jugendliche rauchen Tabak und trinken Alkohol, dafür hat sich der Gebrauch von Kokain, Crack und neuen Drogen in den letzten 10 Jahren vervielfacht. Die Zahl der Drogentoten hat im gleichen Zeitraum sich verdoppelt. Psychische Erkrankungen nehmen zu. Dazu kommen neue Suchtformen bei Verhaltenssüchten in Social Media und Gaming. 25 Prozent der Jugendlichen zeigen hier ein riskantes oder pathologisches Nutzungsverhalten.

So wird die Gesellschaft von zwei Seiten in die Zange genommen: Der wachsenden Zahl der Demokratiefeinde und der wachsenden Zahl von Desintegrierten, Süchtigen, Behandlungsbedürftigen. Und das auf Basis einer massiven, nachhaltigen ökonomischen Krise, in der die Massenarbeitslosigkeit rapide steigen wird als Folge von KI.

Also, ich sach mal, wer vor diesen Hinter- und Abgründen keinen Fluchtreflex verspürt, der hat ne Meise.