
Blutpflaume. Zusammen mit dem Himmelblau bringt sie strahlende Leuchtmomente in die trüben Zeiten. Auch wenn ich den Namen ziemlich dämlich finde. Wäre ich Zen-Buddhist, würde ich wohl unter den Blüten meditieren. Was auch meine Sehnsucht nach Meer, Sonne, Wärme mildern würde.
Stattdessen ein Blick in die Breaking News. Die Inflation ist deutlich angezogen, in Niedersachsen um 2,6 Prozent. Das basiert als Konsequenz des Irankrieges bisher ausschließlich auf steigenden Energiepreisen. In einer zweiten Runden werden die Energiepreise über höhere Produktions- und Transportkosten auch auf Waren und Dienstleistungen durchschlagen. Auf Nahrungsmittel. Im globalen Süden werden als Konsequenz der aktuellen Entwicklung Menschen verhungern, unter anderem, weil sie Nahrungsmittel und Energie nicht mehr bezahlen können und weil es auf Grund von Düngermangel zu Missernten kommt. Die, die noch Kraft haben, werden sich auf den weg zu „uns“ machen.
Hierzulande werden immer mehr Menschen hungern, die Dynamik der Preissteigerungen nimmt täglich zu. Trotzdem wird die derzeitige Regierung ihre Ausplünderung derjenigen, die ohnehin schon nichts mehr haben, fortsetzen. Eine auch nur minimale Mehr-Beteiligung der Reichen und Überreichen im Land an den Krisenkosten wird es nicht geben. Vor allem die CSU lehnt eine Erhöhung der Erbschaftssteuer und des Spitzensteuersatzes ebenso ab wie eine Wiedereinführung der Vermögenssteuer, obwohl das seit dem BVG-Urteil von 1995 rechtlich zulässig wäre. Es ging damals nur um die rechtliche Ausgestaltung der Steuer, nicht um das Prinzip als solches.
Mit dieser Position macht sich die CSU ökonomisch anschlussfähig an die AfD, die für eine konsequente Umverteilung von unten nach oben eintritt. Einer bürgerlich-faschistischen Koalition steht immer weniger im Wege, eine Brandmauer stand da von Anfang an nicht. Das war nur dummes Gequatsche von Ideologen, die schlimmstenfalls so dämlich waren, dass sie ihr Gequatsche selber geglaubt haben. Das sind die schlimmsten Spießgesellen der Zertrümmerer der bürgerlichen Gesellschaft, jene bürgerlichen Ideologen, die ihre Ideologien und Lügen selber glauben. Da sind mir beinharte Interessenvertreter lieber, die Klartext ohne Gesumse reden.
Dass es immer mehr ans Eingemachte geht, lässt sich an einer zurzeit noch diskutierten Sparmaßnahme ablesen: Wegfall der kostenlosen Mitversicherung von Ehepartner*innen. Von der Streichung des Ehegattensplittings ganz zu schweigen. Das wäre, so T-Online, das Ende der Ehe, wie wir sie kennen.
Die Kleinfamilie, im besonderen Fall der Ehe, ist Grundlage dieser bürgerlichen Gesellschaft, zusammen mit dem Privateigentum. Im Verein mit dem Nationalstaat bilden Familie und Privateigentum die heilige, unverzichtbare Dreifaltigkeit des Kapitalismus. Nur im Extremfall, dem seines drohenden Untergangs, würde der (nationalstaatliche) Kapitalismus an einer dieser Säulen rühren, wie zum Beispiel im Rahmen von vorübergehenden Einschränkungen von Privateigentum unter den Bedingungen von Kriegswirtschaft.
Die Tatsache, dass hier auf ökonomischer Ebene die vorerst noch kleine Axt an die heilige Institution Ehe diskutiert wird, ist ein Beleg dafür, wie krisenhaft tatsächlich der Zustand unserer Gesellschaft im Übergang zur Postdemokratie ist.
Im Vergleich dazu sind Kollateralschäden einer möglichen Sechsprozent-Inflation im Herbst 2026 als Folge des Irankrieges überschaubar. Im Herbst sind Wahlen in Sachsen-Anhalt und Meck-Pomm, mit der Möglichkeit einer AfD-Alleinregierung. Wenn die Ausplünderung der Massen nicht gestoppt wird, werden die sicher nicht die Parteien wählen, die sie dafür verantwortlich machen. In Berlin wird auch gewählt, da könnte das geneigte Großstadtpublikum ein letztes Mal eine rotgrünrote Koalition möglich machen. 2027 dann Landtagswahlen in Schleswig-Holstein, NRW, Saarland, Bremen und Niedersachsen. Man darf gespannt sein, wo die nichtexistierende CDU-AfD Brandmauer als erstes auf Länderebene fällt.



















