
Warnstreik bei ZF in Hannover. Dauer 1 Stunde 20 Minuten. Bitte ausstempeln.
ZF ist einer der größten Automobilzulieferer weltweit und befindet sich in einer dramatischen Krise. Den Umstieg auf E-Mobilität verpennt und 10 Mrd. Schulden – und das bei den aktuellen Zinsen! -durch teils kontraproduktive Zukäufe, wie Wabco Hannover. Allein in Deutschland sollen bis 2028 über 14.000 Stellen abgebaut werden. Was danach kommt, in der gesamten Metall- und Elektrobranche, mit ca. 3,6 Millionen Beschäftigten das Herzstück der deutschen Arbeitsgesellschaft…?
Weitere Kürzung der Arbeitszeit ohne Lohnausgleich und betriebsbedingte Kündigungen sind das Mindeste, nicht nur bei ZF. Die Entlassenen werden in einer Transfergesellschaft geparkt, wo sie bei fast vollem Lohnausgleich 12 Monate lang lernen, bei einem demotivierten ehemaligen Germanistikstudenten als Teamer, Bewerbungsschreiben abzufassen. Als Pfleger im Altenheim. Wenn sie Glück haben. Bei Pech landen sie bei Amazon als Fahrer. An ihre (finanzielle) Lebensplanung können sie einen Haken machen. In ihrer Branche, der Metall- und Elektroindustrie mit halbwegs ordentlich bezahlten Jobs, kriegen sie keinen mehr. Der Autozulieferer Schaeffler wickelt gerade seine Standorte in Deutschland ab, mit tausenden Beschäftigten und irgendwann ist dann auch VW dran. Dann stehen wieder Streik-Schilder vor den Werkstoren, mit dem Hinweis, das Ausstempeln nicht zu vergessen.
Eine Transfergesellschaft wäre gar nicht mehr nötig. Die hat auch die Funktion, die Entlassenen ruhig zu stellen. Kapital und Politik konnten sich bei der Einführung dieses Instrumentes nicht sicher sein, ob der massenhafte, synchron erlebte Schock von Entlassungen zum gleichen Zeitpunkt nicht sogar die lammfrommen deutschen Arbeiter mit wilden Streiks und Werkbesetzungen rebellisch machen würde. Am Ende würden die sogar Kommunisten.
Bei einer Transfergesellschaft wird der Schock abgemildert. Die (sinnlose) Hoffnung auf einen ordentlichen Arbeitsplatz, das Rumhängen und Dösen in Seminarräumen jenseits des Arbeitsstress und das allmähliche Verschwinden der Kollegen, jenseits von Resten eines Betriebsrates oder einer Gewerkschaft, zieht auch dem letzten Rebellen den Zahn des Widerstandes. Und am Ende des traurigen Liedes machen sie dann ihr (Haken)Kreuz bei der AfD, in der Wut auf die da oben. Die Wut ist berechtigt, die Schlussfolgerung selbstmörderisch.
Wie verblendet das politische Bewusstsein der Massen ist, zeigt die Abstimmung über eine Reichensteuer in Kalifornien. 5 Prozent Vermögensabgabe. Für Milliardäre. Also ca. 0,0007 Prozent der Bevölkerung. Das Begehren wird vermutlich abgelehnt. Also von über 50 Prozent der Bevölkerung. Natürlich würden ein paar Milliardäre wegziehen. Aber wer zieht schon aus Kalifornien weg. Nach Alaska?
Gut, dass ich weiß, warum ich diesen Blog hier schreibe, sonst würde ich noch zu Drogen greifen aus lauter Frust und Verzweiflung über den Lauf der Welt. Ich schreibe natürlich nicht nur aus Therapiegründen, sondern auch aus Rechthaberei. Um später, wenn es noch viel dicker kommt, nachweisen zu können: Ich hab’s doch gleich gesagt!
Konstruktiv ist das allerdings auch nicht besonders. Das ist Rechthaberei selten, was Sie, liebe Leserinnen, sicher aus Ihren Beziehungen kennen.
Das war doch mal wieder ein schönes Schlusswort. Das Wort zum Mittwoch-












