
S-Bahnstation Berlin-Yorckstr. Liegt bei mir vor der Tür, von dort bin ich in den letzten Jahren sicher zwei-, dreihundertmal mit der S2, S25 oder S26 gefahren, immer über Potsdamer Platz und Brandenburger Tor. Friedrich Merz habe ich dort nie gesehen. Es gibt auch keine Fotos davon in den sozialen Medien. Merz lügt, wenn er behauptet, er fahre öfters mit diesen Linien über diese beiden Stationen . Wenn er so etwas macht, würde sein gesamter Waggon und die betreffenden S-Bahn-Ein- und Ausgänge mit Dutzenden Sicherheitsleuten verstopft und Fotos davon würden im Bruchteil von Minuten die sozialen Medien fluten. Der Mann ist 198 cm groß und im Gegensatz zu seinem eher winzwüchsigen Vorgänger nirgendwo zu übersehen.
Armer ex-Kanzler in spe, wie verzweifelt muss er sein, um solche Dummdreistigkeiten zu verbreiten, mit denen er sich als Mann aus dem Volk inszenieren will. Was kommt als Nächstes, wenn er nach dem Wahlergebnis von heute Abend überhaupt noch dazu käme? Vor meinem inneren Auge (wo sitzt sowas eigentlich?) ploppen Überschriften auf wie: Friedrich Merz zockt ab und zu Grand Theft Auto V. Oder: Friedrich Merz zieht ab und zu auf der Terrasse des Kanzleramtes einen durch. Und als Höhepunkt: Friedrich Merz vögelt in Sitzungspause Referentin aus dem Gesundheitsministerium.
Mitunter angereichert mit persönlichen Geständnissen wie: „Friedrich Merz gesteht: Vor ein paar Monaten habe ich nachmittags eine Tüte Lemon Haze geraucht. Ich war so high, dass ich hinterher im TV-Interview nur Blödsinn erzählt habe.“
Friedrich Merz ist ein arroganter, zynischer Lakai des Kapitals, an dem mir immer nur eins gefiel: Wie er permanent von Angela Merkel gedemütigt und in den Staub getreten wurde. Und wenn er nun von seiner Gang zum Rücktritt gezwungen, mal wieder gedemütigt und in den Staub getreten würde, als Bundeskanzler mit der um Längen kürzesten Amtszeit, würde ich im Zweifel ein Glas Sekt darauf erheben. Wenn gerade einer offen wäre. Aber irgendwie tut mir der ex-Sauerländer Motorrad-Rocker mit den schulterlangen Haaren im Moment fast (!) ein bisschen leid, so wie er von der Medienmeute und vom Mob niedergemacht wird, und vor allem von seinen eigenen Kumpels.
Kein Kanzler der Welt kann strukturell so anders reagieren, geschweige denn regieren, dass Medienmeute, Mob und Kumpels irgendwie zufrieden wären. Was sich hier auf der Staats-Bühne abspielt, sind immer härter werdende Verteilungskämpfe in einer Spätphase des neoliberalen Kapitalismus, im Übergang zu postdemokratischen Verhältnissen. Wer glaubt, dass hier bürgerliche Parteien, bis hin zur Linken, oder gar einzelne Hampelmänner etwas Entscheidendes am Gang der Geschichte, an den gesellschaftlichen Verhältnissen verbessern könnten, der glaubt auch noch an die Weihnachtsfrau. Die Verteilungskämpfe eskalieren überall, mittlerweile tragen Gangs ihre Konflikte sogar im schicken Kreuzberger Graefekiez mit Schüssen aus.
Verrohung allenthalben. Kein Wunder, dass mir immer mehr psychisch gestörte Menschen, die auf den ersten Blick nicht materiell verelendet sind, auch in den S-Bahnen auffallen. Der Leidensdruck wird ja nicht nur auf der ökonomischen Ebene immer größer. Friedrich Merz wäre wahnsinnig, wenn er es riskierte, sich in der S-Bahn unter lauter Verrückte zu begeben.
Was bleibt? Für Heute Abend erhoffe ich mir, dass die FDP immer mehr zur Splitterpartei wird, die nur noch unter „Sonstige“ geführt wird, dass das BSW nicht in den Landtag von MV respektive das Berliner Abgeordnetenhaus kommt, dass die CDU aus dem MV-Landtag fliegt, die SPD in Berlin unter 10 Prozent landet. Am Erfolg der AfD ist eh nicht zu drehen, das ist hoffnungslos. Und die Linke? Na ja, soll’n se mal machen.
So weit, so kindisch für Heute.























