
Berlin? So!
Berlin war von 1945 bis zum 3. Oktober 1990 in vier Sektoren aufgeteilt, die hier mit den jeweiligen Landesflaggen gekennzeichnet sind. Die SBZ, deren Bestandteil Ostberlin de facto, aber nicht de jure war, existiert ebenso wenig mehr wie die Sowjetunion. Deren Nachfolgestaat Russland wird von einem klerikal-faschistischen Blutsäufer regiert. Großbritannien wird’s auch nicht mehr lange machen. Das Theater da sehen sich die traditionell linken Länder Wales und Schottland nicht mehr lange an, sollen die Engländer dann ihren braunen Dreck mit Ukip alleine machen. Die USA befinden sich im Übergang von der Demokratie zum Faschismus. Frankreich wird vermutlich ab 2027 von einem antisemitisch-linken Politclown Jean-Luc Mélenchon regiert. Bei einer Stichwahl mit jemandem vom faschistischen Rassemblement National werden sich wohl die Reste des französischen Bürgertums mehrheitlich für den Politclown entscheiden, weil sie die Linke eher in der Tradition der französischen Revolution sehen als die Faschisten.
Kaffeesatz, aber die Entwicklungen über mehr als eine Generation hin machen eine gewisse Sehnsucht nach einer gemütlicheren Zeit verständlich. Eine Zeit, in der das Ostberliner Prenzlberg kein gentrifiziert-getränktes Disney-Postkartenländle war, sondern eine verfallene Ansammlung von subkulturellen Bruchbuden, keine Schwabenspießer, sondern Intellektuelle und Künstler*innen. Eine Zeit, in der Kreuzberg, wo sich heute Sternerestaurants drängeln, eine kulinarische Buletten-Einöde war, als Highlight gab es einen Klacks Senf auf den Klops. Mittlerweile hat die arme Kirchenmaus Berlin mit 24 Sternerestaurants mehr Gourmettempel als die in Reichtum und Pfeffersäcken badenden München und Hamburg.
Dieser Blick in den Rückspiegel der Geschichte ist nicht als Nostalgieschwärmerei eines „Früher war alles besser“ gemeint. Es geht um ein zentrales Erfolgsrezept des alles niederwalzenden Spätkapitalismus in seiner Endphase, um seine Fähigkeit, die Welt in einen geschichtslosen Orkus (siehe auch: Hades) zu verwandeln. Einer Welt, die ihren Insassen als alternativlos vorgegaukelt wird, in der es keine Utopie eines gerechten, guten Lebens gibt, und keinen Gedanken an die Möglichkeiten dazu, die in einem früheren Leben gedacht und entwickelt wurden.
Die Welt ist so wie sie ist, war nie anders, und wird nie besser sein, fresst, Vögel, oder sterbt. Auf alles, was anders ist, wird in regelmäßigen und immer schnelleren Abständen die Jagd eröffnet, um atemlos vom Untergang abzulenken. Auf Migranten, Arbeitslose, Frauen, Schwule, etc. pp..,

Wie im vorliegenden Fall, bei dem jedem anständigen Doitschen die Zornesader schwillt und er zum Lynch-Strick greift, vom Zentralorgan des Mobs die Jagd auf Bürgergeldempfänger*innen. Denen soll auch noch das Nichts geraubt werden. Ins gleiche Jagdhorn tutet das Zentralorgan der sich intellektuell wähnenden Vollidioten, der Spiegel, der hier eines der größten Arschlöcher der Geschichte der Arbeiterbewegung feiert, Franz Müntefering, mit seinem Satz: »Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen«. Womit Menschen die Existenzberechtigung abgesprochen wird, sozialdemokratisches Wiegenlied vom Totschlag. Der Spiegel kennt ein paar mehr Buchstaben als die Blöd, ist aber genauso niederträchtig.
Ich gehe jede Wette ein, dass die Mehrheit der antisemitischen Demonstranten in Wien oder London von diesem Wochenende glaubt, dass Israel am 7. Oktober 2023 die wehrlosen Palästinenser in Gaza überfallen hat und an denen ein Massaker verübt hat. Wenn dieser Demo-Mob überhaut was glaubt, weiß oder sich erinnern kann. Geschichtslos wütet er sich durch die Gegenwart.
Die Juden, der Staat Israel, hätten eine Chance auf Solidarität oder wenigstens höfliches Desinteresse gehabt: Sie hätten sich wehrlos am 7. Oktober abschlachten lassen sollen. So aber gilt der Satz „Die Deutschen werden den Juden Auschwitz nie verzeihen“ .
Sonniges Wochenende, liebe Leserinnen, und damit das Ganze hier nicht so unversöhnlich endet, wie es gemeint ist, zum Abschluss eine Bild-Meditation in Schönheit.

Rose im Morgenlicht. Die dazu noch einen betörenden Duft in der Kühle des aufblühenden Tages verströmt, der einen für Momente den Weltdreck vergessen lässt.
















