
Älteste Szenekneipe in Hannover.
Nach der Wahl in Baden-Württemberg nähert sich die SPD mit einem Stimmenanteil von wenigen tausend Stimmen über der Fünfprozenthürde dem Zustand, wo sie mehr Mitglieder als Wählerinnen hat. Grotesker Schwanengesang einer einstmals stolzen Arbeiterpartei.
Die IG Metall als der anderer „entseelter, geschichtsloser Zombie“, als leere Hülle der Arbeiterbewegung, wird ihr erstes von vielen folgenden Cannae bei der aktuellen Betriebsratswahl im VW-Werk Zwickau erleiden . (Ergebnis am Freitag, den 13. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt). Normalerweise erzielen die Listen der IG Metall bei Betriebsratswahlen im Kernsektor der deutschen Wirtschaft, der Automobilindustrie, über 90 Prozent Stimmenanteil. In Zwickau, tief im Nazi-Osten, wird eine AfD-nahe Gewerkschaftsliste diese Vormachtstellung erstmals erschüttern, wenn nicht gar brechen. Das ist nach den Wahlerfolgen der AfD auf allen Ebenen eine Zäsur im zivilgesellschaftlichen Sektor, die gar nicht gravierend genug einzuschätzen ist. Die IG Metall wird sich allein aus Existenzangst zukünftig nicht mehr engagiert antifaschistisch positionieren, was auf die vorhandenen Reste von Gewerkschaft ausstrahlen wird. Die antifaschistischen Eckpfeiler der Gesellschaft erodieren Stück für Stück. Ab einer bestimmten Entwicklung erhalten gesellschaftliche Prozesse eine sich selbst beschleunigende Eigendynamik. Von nun an geht‘s bergab. Wie bei einer Lawine. Erst ein Schneeball und irgendwann heißt es nur noch: Rette mich, wer kann.
Man kann die Naturalisierung gesellschaftlicher Prozesse auch übertreiben, belassen wir es also bei der nüchternen Feststellung, dass die allgemeine Verrohung und Verblödung beängstigende Ausmaße annimmt. Was ist des Ostgoten liebste Tracht, neben dem Fußballtrikot? Die Niedertracht. Bei der Wahl in Baden-Württemberg haben ca. 60 Prozent CDU, AfD, FDP und sonstige Niederträchtler, Spinner und Quartalsirre gewählt, also die volle Bandbreite zwischen verrohten Neoliberalen, amoklaufendem Bürgermob und Vollfaschisten. Wobei man noch dankbar sein muss, dass ca. 30 Prozent gar nicht erst zur Wahl gegangen sind. Dahinter verbergen sich die Schlimmsten, militante Demokratiefeinde, Kriminelle und jene Psychopathen, die eher in geschlossene Anstalten gehören und sich stattdessen in der bürgerlichen Kleinfamilie tarnen. Bis zum nächsten Femizid.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst.
Was nun? Es bleibt uns immer noch der Ausflug, die Flucht, in die Welt des schönen Scheins, der Künste, des Designs.

Design aus Meisterhand.
Und natürlich die Flucht in die Welt der Drogen, des Alkohols. Und so ist dieser Blog dem Blauen Bock aus Grunewald gewidmet, dessen Todestag sich am 1. April jährt: Der, neben Hildegard Knef, siehe oben, Westberliner Ikone schlechthin, Harald Juhnke. . 1982 erschien sein Party-Sampler mit dem Namen Ein Vollrausch in Stereo. 20 schäumende Stimmungshits. Auf der Rückseite befand sich der Hinweis: „Ein Pfennig pro verkaufter LP geht an einen Stimmungsbomber der ersten Stunde, der seine Gesundheit einer gnadenlosen Unterhaltungs- und Alkoholindustrie opferte: Harald Juhnke.“
Mich umweht bei derlei Geschichten, nein, keine Alkoholfahne, sondern eine wehmütige Sehnsucht nach einer Zeit, in der es noch Westberliner Ikonen gab, wo die Welt überschaubar war und in Kreuzberg endete.
Zeitgenössische Berliner Ikonen? Da fällt mir keine ein. Auf dem Prenzlberger Biomarkt am Kollwitzplatz sind mir schon mal Thomas Gottschalk und Wolfgang Thierse über den Weg gelaufen. Fleischgewordene Rache der Zeitgeschichte an den Spätgeborenen.











