

Haus der Kulturen der Welt, Berlin, bei Nacht.
Das Konzert mit Cheikh Lô dort war eine cool-tanzbare Angelegenheit, sehr schön. Über die Ausstellung habe ich mich schwarz (hahaha, Flachwitz-Alarm mit Spuren von kultureller Aneignung) geärgert. Die Werke waren ohne jede Beschriftung, Info, die Zuordnung zum ausliegenden Reader mit Werkbeschreibung war ein Unding, weil ohne Nummerierung, Struktur, Gliederung. Dazu auch hier wieder ellenlanges Kulturblasen-Blablabla, was außerhalb der Metropolen-handelsüblichen Vernissagenposse Frieda Normalverbraucherin zum Gähnen oder zum Flüchten animiert. Immerhin hat dieser Tummelplatz für die alternative Kulturelite der Hauptstadt samt zugereister und eingeflogener Jeunesse dorée aus aller Frauen Länder, zumindest der betuchten Nordhalbkugel, einen Grundetat von über 10 Millionen Euro, plus Projektförderungen aller Art. Details sind schwer zu ermitteln. Da könnte man sich vielleicht ein bisschen mehr Vermittlungsmühe für das gemeine Volk geben, oder…?
Mir soll der Laden recht sein, zumindest in meiner Identität als Kulturkonsument. Die Veranstaltungen dort sind oft einzigartig, phantastisch, fast immer umsonst, und wenn es mal Eintritt kostet, wie bei den Terrassenkonzerten im Sommer, dann ist der im Vergleich zu den unglaublichen Eintrittspreisen bei Konzerten heutzutage, erschwinglich. Dafür gibt’s geniale Musik und einen phänomenalen Sonnenuntergang über dem Kanzleramt. Wenn das keine Symbolik ist, was dann.
In meiner Identität als Zoon politikon, aus Sicht radikallinker Kulturkritik, empfinde ich derartig abgehobene Orte und Veranstaltungen als regelrecht demokratiefeindlich, such wenn der dort erhobene Anspruch auf der verbalen Oberfläche so emanzipatorisch wie nur möglich ist. Bei den Reden dort klingeln einem vor lauter Diversitäts-Blabla nur so die Ohren. Weshalb ich mir sowas gar nicht erst antue und mich lieber am Spiel der Formen und des Lichtes auf der nächtlichen Terrasse erfreue.
Zwei zentrale Kritikpunkte, kurz skizziert:
- Ich habe dort noch nie auch nur den Ansatz einer Öffnung nach außen, in die Stadt hinein, und einer Öffnung über die eigene Klientel hinaus, in proletarisch-prekäre Kieze hinein, wahrgenommen. Kein Wunder, würden sich die Macher*innen mit einem kurzfristigen Umzug beispielsweise zur Neuköllner Sonnenallee mit ihrem LGBTQ-orientierten Diversitätsansatz bei der dortigen arabisch-antisemitischen Machokultur blutige Nasen holen, und zwar im Wortsinne. (Der latente und oft offene Antisemitismus der Berliner Alternativszene wiederum dürfte dort auf offene Ohren stoßen.)
- Mit einem derart hermetischen Kulturansatz liefert die Szene natürlich rechten und faschistischen Protagonisten wunderbare Munition gegen jede emanzipatorische (Kultur-)Politik: Gegen die abgehobenen linksgrünversifften Eliten, die sich mit vollen Händen aus dem Staatssäckel bedienen, um ihre perversen Kulturphantasien zu befriedigen zu denen das gemeine Volk null Zugang hat.
Dem Laden würde eine AfD/CDU-Koalition mit als erstes den Geldhahn zudrehen. Zukünftig würden dort dann Ernst Mosh und die Egerländer, Andreas Gabalier und die Wildecker Herzbuben auftreten.
Kein Wunder bei so viel Kulturpessimismus, dass es mich mitunter vor die Tore der Stadt zieht

An den Weißen Strand von Woltersdorf.
Woltersdorf ist niedlich.

Woltersdorf hat die kleinste Straßenbahn der BRD

Und atmete darüber hinaus noch derartig unverfälschtes DDR-Ambiente, dass es mir ganz wehmütig wurde. Nur der Gestank des Trabi trübte die Seeluft von Woltersdorf ein wenig
















