

Impressionen vom 32. Lesbisch-schwulen Stadtfest rund um den Berliner Nollendorfplatz, das größte queere Event seiner Art in Europa und zugleich das größte Antigewaltprojekt Europas, mit über einer halben Million Besucher*innen immer auch ein Familienfest. Es war von Anfang an vor allem auch ein Symbol gegen Diskriminierung und Hass, ein Zeichen gegen Gewalt und ein Manifest für sexuelle Vielfalt und gleiche Rechte. So der eigene Anspruch.
Ich kenne mich in der Schwulenszene nicht aus, von daher war das Fest ein willkommener Anlass, mögliche hetereonormative Vorurteile anhand der Realität ins Wanken zu bringen. Aus der klassischen Soziologie sozialer Bewegungen früherer Zeiten hatte ich dunkel im Hinterkopf, dass die Schwulenbewegung als emanzipatorisch einzuordnen sei, aufklärerisch, fortschrittlich, Bestandteil eines subkulturellen Milieus, irgendwo links-alternativ.
Ich naiver Tor.

Das erste Zelt am Nollendorfplatz gehörte der Bundeswehr. Diese klassische Selbsthilfegruppe gegen Gewalt und Diskriminierung ist seit 2023 dabei. Kurz dahinter die Polizei. Ich hab mal im Graffiti-Grundkurs gelernt:
Deutsche Waffen, Deutsches Geld,
morden mit in aller Welt.

Folgerichtig war natürlich auch ein paar Meter neben der Bundeswehr die Deutsche Bank fröhlich-bunt-divers dabei.

Meine Erinnerung daran (respektive das Ressentiment), dass Schwule und Lesben auf Grund ihres subkulturellen Ursprungs nicht jeden Mist des Mainstreams mitmachen, wurde aufs fröhlichste am Zelt der queeren Schuhplattler konterkariert. Natürlich gab es auch schwul-lesbische Schachspielgruppen, Boxvereine etc. pp. Die Zertrümmerung von Vorurteilen in meinem Bewusstsein nahm beängstigende Ausmaße an, ich wurde infantil-ordinär: „Die haben doch echt den Arsch offen.“ 10 Meter später dieser Anblick:

Ohne Worte. Beim Dosenwerfen. Es gibt in Berlin nichts, was es nicht gibt.
Ich hatte schon so viel und war derartig mitgenommen, dass es auf eins auch nicht mehr ankam:

Mein BDSM-Testergebnis am Zelt des Vereins BDSM Berlin e.V. Der junge Mann hier schaut noch etwas skeptisch. Der wird Zuhause sein blaues Wunder erleben.
Eins aber tröstete mich ungemein: Das Give-away der Deutschen Bank. Eine Samenbombe, (O-Ton am Stand).

„Unsere hangemachten Saatkugeln bringt Farbe in dein Leben.“ Falls jemand weiß, um welche Sprache es sich bei diesem Gestammel handelt, möge er oder sie oder es sich gerne melden. Aber nicht bei mir.
Abschließend eine frohe Botschaft: Der Trainer der doitschen Fußball-Nationalmannschaft heißt Klopp. Demzufolge wollen sich die eingeborenen Fußballfans zukünftig die Bekloppten nennen.















