
Der 1. Mai für die Tonne.
Früher hatte der 1. Mai Bedeutung für mich. Mitunter war ich Mairedner bei den DGB-Feiern in der Region Hannover, was Spaß gemacht hat und als kleines Mosaik einer langen emanzipatorischen Tradition der Arbeiter*innenbewegung sogar für mich mit Sinn aufgeladen war. Und das will was heißen. Viel Sinn sehe ich ansonsten nicht im Weltgeschehen. Eher Unsinn. Regelrechtes Spaßtheater war immer die Tour zu den diversen Mairevolutionären Kasper-Veranstaltungen in Berlin. Als da allerdings irgendwann vor Jahren antisemitische Hetze immer mehr in den Vordergrund rückte, war für mich Schluss mit lustig. Wenn ich bei Veranstaltungen Palästinafahnen sehe und Leute mit diesen Kufiya-Kopfwindeln, suche ich das Weite. Und finde es auch.
Insofern fallen eigentlich Maiveranstaltungen für mich aus, ich guck mir das aus Chronistenpflicht vielleicht kurz an, aber das war’s dann auch. Früher hätte ich das bedauert, heute halte ich mich an die alte Eichsfelder Bauernregel: Scheißt der Hund im Mai, ist der April vorbei.
Interessant auch die Bedeutungs-Verschiebung für mich in anderen Sektoren. Früher hätte ich noch Reste von klammheimlicher Sympathie (auch aus einer juvenilen Faszination heraus für Räuber- und Gendarmspiele) für Daniela Klette empfunden, Mitglied der ex RAF, für die der Staatsanwalt gerade 15 Jahre Haft gefordert hat. Da auch sie sich während ihres Prozesses mit dem Palästinatuch Kufiya gezeigt hat, was mittlerweile ein eindeutiges Indiz für linken Antisemitismus ist, hat sich auch diese Causa für mich erledigt. Ab in die Mülltonne sozialromantischer Empfindungen. Ab hier regiert der Verstand.
Nachtragend bleibt anzumerken, dass der 1. Mai als Feiertag 1934 von den Nazis eingeführt wurde, um den Mob bei Laune zu halten. Allein deshalb bin ich für die Streichung des 1. Mai als Feiertag und stehe damit solidarisch Seit an Seit mit den antifaschistischen Genossen von der CDU, die das im Rahmen der aktuellen Haushaltsverhandlungen gefordert hatten, um die Wirtschaft anzukurbeln.
Ökonomisch ist eine derartige Forderung natürlich so grunzdumm, dass ich mal wieder darüber verzweifle, wie tief ich unter meinem Niveau intellektuell beleidigt werde. Die Unternehmen in Deutschland leiden derzeit unter einer teilweise verheerenden Unter-Auslastung, die Industrie z. B. ist nur zu 70 % ausgelastet, jeder 10.Betrieb unter 50 %! Es stehen dramatische Massenentlassungen an, nicht umsonst lautet das Motto des diesjährigen 1. Mai: Erst unsere Jobs, dann Eure Profite! Und dann sollen die Leute, die eh zu wenig zu tun haben, noch mehr arbeiten durch Streichung von Feiertagen, Verlängerung der Lebensarbeitszeit und Ausbau der Wochenarbeitszeit? Oh Frau, lass Hirn vom Himmel regnen. In was für einer Gesellschaft befinde ich mich bloß: Hier linke antisemitische Moral-Arschlöcher, da intellektuelle Tiefflieger-Vollidioten.
Dass der 1. Mai als Feiertag tatsächlich abgeschafft wird, ist nicht zu erwarten. Die Forderung der CDU war natürlich rein taktischer Natur und nicht ernst gemeint, nach dem Motto: Wenn ich der Gegenseite da entgegenkomme, muss die mir dafür woanders was geben. Zum Beispiel bei der Begrenzung der Bezugsdauer vom Arbeitslosengeld I.
Außerdem kommt demnächst die AfD mit an die Regierung und die wird auch beim 1. Mai in der Tradition der Original Nazis von 1934 bleiben. Die Umfragezahlen sprechen ein deutliche Tendenz. Mittlerweile liegt die AfD weit vorne, die CDU kackt langsam ähnlich dramatisch ab wie die SPD. Die liegt nur noch auf Platz 5, sogar hinter der Linken, landet demnächst im einstelligen Prozentbereich und muss um den Wiedereinzug in den Bundestag bangen. Ade, die vielen, schönen, gutbezahlten Jobs für die spezialdemokratistischen Karrieristen in Politik, Verwaltung, Behörden, bis hin zu Aufsichtsräten. Vae victis.
Wer allerdings über diese späte und gerechte Strafe der Geschichte für den Verrat der rotgrünen Agenda 2010 frohlockt, sollte kurz innehalten und die Alternative bedenken: Es ist die für Deutschland. Der Faschismus.


















